Psychische Belastungen stärker in den Arbeitsschutz rücken
Gemeinsam mit EU-OSHA rückt die CESI psychische Belastungen stärker in den Fokus und setzt auf bessere Prävention am Arbeitsplatz.
Psychische Gesundheit rückt stärker in den Fokus des europäischen Arbeitsschutzes. Als Kooperationspartner der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) beteiligt sich die CESI an der Kampagne „Gemeinsam für psychische Gesundheit bei der Arbeit“. Sie läuft von 2026 bis 2028 und stellt die Prävention psychischer Belastungen in den Mittelpunkt.
Der Handlungsbedarf beim Thema der psychosozialen Risken am Arbeitsplatz ist erheblich. Nach einer Erhebung von EU-OSHA berichten 29 Prozent der Beschäftigten in der EU über Stress, Angstzustände oder Depressionen, die durch ihre Arbeit verursacht oder verstärkt werden. Als Risiken gelten unter anderem übermäßiger Arbeitsdruck, geringe Einflussmöglichkeiten auf die Arbeitsgestaltung, mangelnde Kommunikation und Belästigung. Die Kampagne, die am 13. Oktober in Brüssel offiziell gestartet wurde, soll Arbeitgeber und Beschäftigtenvertretungen dabei unterstützen, solche Gefährdungen frühzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen.
Die CESI will ihre Partnerschaft mit EU-OSHA nutzen, um Erfahrungen aus ihren Mitgliedsorganisationen zu bündeln, bewährte Präventionsmaßnahmen bekannt zu machen und den Austausch mit Arbeitgebern und weiteren europäischen Akteuren zu fördern. Dabei betont sie, dass psychische Gesundheit nicht allein eine Frage individueller Belastbarkeit ist. Entscheidend seien auch Personalausstattung, Arbeitsorganisation und die Beteiligung der Beschäftigten an der Gefährdungsbeurteilung.
CESI-Generalsekretär Klaus Heeger erklärt: „Psychische Gesundheit ist ein wesentlicher Bestandteil von Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz. Stress, übermäßige Arbeitsbelastung, Belästigung oder ständige digitale Erreichbarkeit sind keine Nebensächlichkeiten, sondern berufliche Risiken, denen angemessen vorgebeugt und begegnet werden muss.“ Mit der erneuten Zusammenarbeit wolle die CESI das Bewusstsein für wirksame Prävention stärken und dafür sorgen, dass Beschäftigte und ihre Vertretungen bei der Gestaltung gesunder Arbeitsplätze mitreden können.
Besondere Bedeutung hat dies für die öffentlichen Dienste. In Verwaltungen, Schulen, Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen und Sicherheitsbehörden treffen hoher Arbeitsanfall und Personalengpässe häufig auf unmittelbare Verantwortung für andere Menschen. Die Kampagne behandelt deshalb neben der systematischen Bewertung psychosozialer Risiken auch besondere Situation im Gesundheits- und Sozialwesen.
Die Initiative fällt in eine wichtige Phase der europäischen Arbeitsschutzpolitik. Die geltende EU-Arbeitsschutzrahmenrichtlinien verpflichten Arbeitgeber bereits zur Beurteilung und Vermeidung beruflicher Gefährdungen. Spezifische europäische Mindestvorschriften für psychosoziale Risiken sind allerdings bislang nicht systematisch geregelt. Die Europäische Kommission prüft deshalb im Zuge eines angekündigten neuen ‚Quality Jobs Act‘ weitergehende Maßnahmen, darunter verbindliche Anforderungen an die Prävention.
Für die CESI knüpft die neue Partnerschaft an die EU-OSHA-Kampagne 2023 bis 2025 zu sicherer und gesunder Arbeit im digitalen Zeitalter an. In den kommenden beiden Jahren will sie dazu beitragen, dass aus mehr Aufmerksamkeit konkrete Verbesserungen am Arbeitsplatz werden. Auch für den dbb und seine Mitgliedsgewerkschaften eröffnet die Kampagne zusätzliche Möglichkeiten, psychische Belastungen im öffentlichen Dienst auf europäischer Ebene sichtbar zu machen.
Weitere Informationen zur Arbeit der CESI mit EU-OSHA können hier eingesehen werden.

