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    Frankreich treibt die digitale Souveränität seiner Verwaltung voran

Frankreich treibt die digitale Souveränität seiner Verwaltung voran

dbb europathemen

Frankreich beschließt nach interministeriellem Seminar am 8. April 2026 konkrete Maßnahmen und Zeitpläne zur Stärkung der digitalen Souveränität der Verwaltung.

Federführend ist dabei die staatliche Digitalbehörde DINUM. Bis zum Herbst 2026 sollen alle Ministerien konkrete Pläne vorlegen, um ihre IT-Infrastruktur von außereuropäischen Technologien zu entkoppeln. Im Zentrum steht dabei der Beschluss, alle Behörden schrittweise von Microsoft Windows auf Linux umzustellen. Dieser Umstieg würde ca. 2,5 Millionen Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst betreffen und soll bis Ende des Jahrzehnts abgeschlossen sein. David Amiel, Minister für öffentliches Handeln und Haushalt, begründete diese Entscheidung mit der Stärkung der digitalen Souveränität. Der Staat könne nicht akzeptieren, dass seine strategischen Entscheidungen und Daten von Lösungen abhängen, deren Regeln, Preise und Risiken von ausländischen Akteuren kontrolliert werden.

In Deutschland sind die Verwaltungen von Bund, Ländern und Kommunen ebenfalls in einem sehr hohen Maße von den IT-Anwendungen (Cloud, Hardware, Software) der großen US-Unternehmen abhängig. So gibt die Bundesverwaltung beispielsweise jedes Jahr fast eine halbe Milliarde Euro für Microsoft-Lizenzen aus. Diese Abhängigkeit ist vor dem Hintergrund der aktuellen politischen Entwicklungen besonders problematisch. Anstrengungen zur langfristigen Sicherung der digitalen Souveränität Deutschlands und Europas sind aus Sicht des dbb daher politisch dringend geboten. Entsprechend hat sich der dbb in seinem Positionspapier mit dem Titel „Erwartungen des dbb an die neue Bundesregierung zur Digitalisierung der Verwaltung“, das am 24. Juni 2025 vom dbb Bundesvorstand beschlossen wurde, klar für eine Stärkung der digitalen Souveränität ausgesprochen und entsprechende Maßnahmen von der Bundesregierung gefordert. Vor diesem Hintergrund ist es positiv zu bewerten, dass das Zentrum für digitale Souveränität (Zendis) mit Open Desk bereits ein alternatives Office-Programm für die deutsche Verwaltung entwickelt hat. Die Software wird derzeit von rund 100 Mitarbeitenden des Bundesministeriums für Digitales und Staatsmodernisierung getestet.

Der dbb wird die Debatte weiter vorantreiben und am 19. Mai 2026 einen Europäischen Abend unter dem Titel „Digitales Europa. Zwischen Abhängigkeit und Souveränität“ veranstalten. Dort sollen zentrale Fragen der digitalen Souveränität, der europäischen Zusammenarbeit und der Zukunft der öffentlichen IT-Infrastruktur diskutiert werden.   

 

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