CESI fordert faire Chancen statt Aktivierung um jeden Preis
Die CESI fordert gezielte Unterstützung für Menschen mit Zugangshürden und setzt dabei auf gute Beschäftigung, individuelle Beratung und faire Bezahlung.
Wie können Menschen Zugang zu guter Arbeit finden, wenn fehlende Kinderbetreuung, gesundheitliche Einschränkungen oder Diskriminierung ihnen den Weg versperren? Die Europäische Union Unabhängiger Gewerkschaften (CESI) fordert in einer Stellungnahme an die Europäische Kommission eine Arbeitsmarktpolitik, die hilft, solche Hindernisse gezielt abzubauen. Angesichts anhaltender Personalengpässe müsse Europa in leistungsfähige öffentliche Arbeitsvermittlung und individuelle Unterstützung investieren.
Anlass ist eine im Juli 2026 eingeleitete erste Sozialpartnerkonsultation zu möglichen EU-Maßnahmen für Menschen mit erheblichen Zugangshürden zum Arbeitsmarkt. Nach Angaben der Europäischen Kommission standen 2025 fast 50 Millionen Menschen zwischen 20 und 64 Jahren außerhalb des Arbeitsmarkts; weitere vier Millionen waren seit mindestens einem Jahr arbeitslos. Zugleich fehlt vielerorts Personal, etwa im Gesundheitswesen und in der Pflege. Die Europäische Kommission prüft deshalb, wie Beschäftigungsförderung, soziale Unterstützung und Betreuungsangebote besser ineinandergreifen können.
Die CESI unterstützt diesen Ansatz, verlangt aber klare Maßstäbe. Menschen dürften nicht auf ihre Verfügbarkeit als zusätzliche Arbeitskräfte reduziert werden. Entscheidend sei, ob eine Vermittlung dauerhaft sichere Beschäftigung mit angemessener Bezahlung und Entwicklungsperspektiven eröffnet. Öffentlich geförderte Stellen müssten Tarifverträge und Arbeitsrecht respektieren und dürften reguläre Arbeitsplätze nicht verdrängen. Wer Arbeit aufnimmt, müsse nach Abzug unvermeidbarer Kosten tatsächlich mehr Geld zur Verfügung haben als zuvor.
Für Beschäftigte der öffentlichen Arbeitsverwaltungen sind die Forderungen unmittelbar relevant. Individuelle Beratung und die Zusammenarbeit mit Sozial-, Gesundheits- und Bildungsdiensten brauchen ausreichend Personal, überschaubare Fallzahlen und verlässliche Finanzierung. Eine zentrale Anlaufstelle helfe wenig, wenn unterbesetzte Behörden lediglich zusätzliche Koordinierungsaufgaben erhielten, warnt die CESI. Unterstützung solle zudem nach der Vermittlung weitergehen, um Rückfälle in Arbeitslosigkeit zu verhindern.
Besonderes Gewicht legt die CESI auf bezahlbare Kinderbetreuung und Pflegeangebote. Sie ermöglichen gerade Frauen, eine Beschäftigung aufzunehmen oder ihre Arbeitszeit nach eigenen Wünschen auszuweiten. Ihr Ausbau müsse jedoch mit besserer Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen für die dort Beschäftigten verbunden werden. Auch Arbeitgeber seien gefordert, etwa durch diskriminierungsfreie Einstellungen und die Anpassung von Arbeitsplätzen an individuelle Unterstützungsbedarfe.
Dabei knüpft die CESI an ihr früheres EU-kofinanziertes Projekt ACTIVER an. „Gut gestaltete aktive Arbeitsmarktmaßnahmen können praktische Motoren für gerechte Übergänge sein“, erklärte CESI-Generalsekretär Klaus Heeger zum Projektabschluss. Besonders wirksam seien sie, wenn Beschäftigte und ihre Vertretungen an Gestaltung, Steuerung und Überprüfung mitwirkten. Diese Beteiligung fordert die CESI auch für die nun diskutierte EU-Initiative.
Mehr Informationen zur Arbeit der CESI zur Aktivierung von Arbeitskräften sind auf der Website der CESI verfügbar.

