ZEIT-Streitgespräch„Wenn der Staat die besten Köpfe haben will, dann muss er konkurrenzfähig sein.“
In einem Streitgespräch der ZEIT verteidigt dbb-Chef Volker Geyer das Berufsbeamtentum und fordert mehr Sachlichkeit in der Debatte.
Es sei richtig, dass die Zahl der Verbeamtungen auf Bundesebene zuletzt gestiegen sei. „Aber das liegt unter anderem an der veränderten Sicherheitslage. Deshalb sind etwa bei der Bundespolizei mehr Polizistinnen und Polizisten eingestellt worden“, erklärte Geyer im Streitgespräch mit Rainer Holznagel, der Präsident des Bundes der Steuerzahler, am 2. Juni 2026. Das Berufsbeamtentum habe unbestreitbare Vorteile: „Voriges Jahr wurde ein neues Bundeministerium für Staatsmodernisierung und Digitalisierung gegründet. Das ging nur so schnell, weil dafür Beamtinnen und Beamte aus anderen Ministerien einfach versetzt werden konnten. Das geht mit Arbeitnehmern so nicht. Uns fehlen heute schon etwa 600.000 Menschen im öffentlichen Dienst, in den nächsten Jahren gehen dort 1,4 Millionen Beschäftigte in Ruhestand. Wenn der Staat die besten und klügsten Köpfe haben will, dann muss er auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig sein. Da spielt der Beamtenstatus auch als Anreiz eine wichtige Rolle.“
Gerade im Bereich der Lehrkräfte will der dbb-Bundesvorsitzende an der Verbeamtung festhalten: „Ich habe mich neulich mit einem Bundestagsabgeordneten unterhalten, der seinen Wahlkreis in der Nähe der französischen Grenze hat. Er sagte, er will keine französischen Verhältnisse, wo Schulen tagelang bestreikt werden. Uns fehlen heute schon weit mehr 100.000 Lehrerinnen und Lehrer. Und die Antwort darauf soll sein: Wir verschlechtern jetzt einfach mal die Beschäftigungsbedingungen in diesen Bereich? Was wäre damit gewonnen? Lehrerinnen und Lehrer sind gewerkschaftlich genauso gut organisiert wie die Lokführer. Die waren früher alle verbeamtet, aber dann wurde die Bahn in ein privatwirtschaftliches Unternehmen umgewandelt, und heute steht das Land still, wenn die Gewerkschaft der Lokführer zu Streiks aufruft, und die Aufregung ist jedes Mal riesig. Ich bitte darum, die Dinge vom Ende her zu denken.“
In der Debatte um eine Einbeziehung von Beamtinnen du Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung machte Geyer deutlich: „Ich kann nur empfehlen abzuwarten, welche Vorschläge die Rentenkommission des Bundes macht, die bis Ende Juni die Ergebnisse ihrer Beratungen vorlegen will. Klar ist aber: Wenn die Beamtinnen und Beamten in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen, dann erwerben sie auch Ansprüche. Den höheren Einnahmen stehen also höhere Ausgaben entgegen, auch weil Beamte im Schnitt 2,3 Jahre länger leben als Arbeitnehmer und damit auch länger Rente beziehen würden. Damit wäre das System unter dem Strich nicht ent-, sondern sogar zusätzlich belastet.“



