• Das Foto ist eine Grafik: Eine Frau sitzt auf dem Viertel einer Uhr, was symbolisiert, dass sie in Teilzeit arbeitet. Sie arbeitet am Laptop.

ArbeitsmarktArbeitspolitik der Union geht an Lebensrealität der Frauen vorbei

Der jüngste Vorstoß, das Recht auf Teilzeit einzuschränken, ist nur die Spitze des Eisbergs. Zusammen betrachtet bedeuten die CDU-Pläne eine erschwerte Erwerbstätigkeit für Frauen.

dbb frauen

Milanie Kreutz, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung betonte am 27. Januar 2026: „Wenn Frauen trotz hoher Qualifikation und Arbeitsbereitschaft strukturell daran gehindert werden, existenzsichernd zu arbeiten, ist das kein individuelles Problem, sondern ein politisches Versagen.“ Die CDU plant, die Tageshöchstarbeitszeitgrenze aufzuheben, stellt das Recht auf Teilzeit als sogenannte ‚Lifestyle‘-Teilzeit in Frage und will zugleich den Kündigungsschutz für Topverdienende lockern. „Das macht deutlich, wie wenig diese Debatten die Lebensrealität vieler Frauen berücksichtigen. Solange sich Erwerbsarbeit für einige Frauen weniger lohnt als Heiraten, läuft etwas grundlegend falsch“, kritisierte Kreutz.

Union-Vorschläge verschärfen Betreuungskonflikte

Frauen tragen seit Jahrzehnten die Hauptlast von bezahlter und unbezahlter Sorgearbeit, erklärte die dbb frauen-Chefin „Aber statt sie dafür zu belohnen, benachteiligt sie das System im Erwerbsleben und in der Altersabsicherung. Wer Fachkräfte sichern will, muss endlich aufhören, Frauen in die ökonomische Abhängigkeit zu drängen.“ Die von der Unionsfraktion vorgeschlagene Liberalisierung der täglichen Höchstarbeitszeit verschärft Betreuungskonflikte für Familien und zementieren überholte Rollenbilder. 

Auch das Steuersystem müsse überholt werden: „Das Ehegattensplitting und die Steuerklassenwahl 3 und 5 setzen schlicht und einfach falsche Anreize. Sie fördern ein Modell, in dem Frauen ihre Erwerbstätigkeit reduzieren oder ganz aufgeben, anstatt wirtschaftliche Eigenständigkeit zu stärken. Ein Steuersystem, das Zuverdienst bestraft, hält Frauen bewusst klein und bremst ihre berufliche Entwicklung.“ Hinzu komme, dass 520-Euro-Minijobs kein Sprungbrett in existenzsichernde Beschäftigung seien, „sondern faktisch eine Sackgasse für viele Frauen sind. Statistisch gesehen bleiben viele Frauen dauerhaft im Niedriglohnsektor gefangen, wenn sie sich einmal für einen Minijob entschieden haben“, so Kreutz. 

Der politische Wille fehlt

„Teilzeitarbeit darf nicht länger das Ende von Karriere und Führungsverantwortung bedeuten. Fehlende Führungsoptionen in Teilzeit sind kein Naturgesetz, sondern Ausdruck veralteter Arbeitsstrukturen.“ Zahlreiche Beispiele aus Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, in denen Führung in Teilzeit längst erfolgreich praktiziert wird, zeigen, dass es auch anders geht. „Was fehlt, ist nicht die Machbarkeit, sondern der politische Wille, moderne Arbeitsmodelle flächendeckend zu ermöglichen und verbindlich zu fördern“, erklärte Kreutz.

In der Debatte spielt die Frauen Union der CDU eine zentrale Rolle. Die dbb frauen-Chefin sucht daher den Dialog: „Wir schlagen der Frauen Union ein konstruktives Gespräch vor, um gemeinsam zu diskutieren, wie Erwerbstätigkeit von Frauen real gestärkt werden kann.“

 

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