Interview mit Andreas Hemsing

Sozial- und Erziehungsdienst: Worum geht es?

Das dbb magazin hat in der Ausgabe 12/2014 die Hintergründe der anstehenden Verhandlungen für den Sozial- und Erziehungsdienst zusammegefasst und mit dbb Verhandlungsführer Andreas Hemsing gesprochen.

Herr Hemsing, eine offizielle Forderung hat der dbb noch nicht vorgelegt. Ist das nicht ungewöhnlich, ein Vereinbarung ohne konkrete Forderung aufzukündigen?

Andreas Hemsing: Absolut nicht. Die Entgeltordnung für den Sozial- und Erziehungsdienst von 2009 hat einige Probleme, die der Übergang vom alten Bundesangestelltentarifvertrag (BAT) zum neuen Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) mit sich ­gebracht hat, beseitigt. Aber es sind auch viele Fragen offengeblieben. Insofern ist auch fünf Jahre nach Inkrafttreten der Entgeltordnung festzuhalten, dass nach wie vor großer Handlungs- und Nachbesserungsbedarf besteht. Da wollen wir jetzt ran.

Was konkret soll sich ­ändern?

Ich kann und will den Beschlüsse der zuständigen Gremien nicht vorwegnehmen. Aber natürlich findet bereits ein enger Austausch mit den Mitgliedsgewerkschaften des dbb statt. Das zeichnet uns ja aus: Mit unseren Fachgewerkschaften sind wir immer nah an den alltäglichen Problemen der Menschen in den unterschiedlichen Bereichen des öffentlichen Dienstes dran. Ähnlich wie bei den Vorbereitungen zur Einkommensrunde 2015 wollen wir das nutzen und mit den Mitgliedern ins Gespräch kommen, damit wir am Ende zu Ergebnissen kommen, die spürbare Verbesserungen bringen.

Ohne den Gremien vorzugreifen: Wie können solche Ergebnisse denn aussehen? Zeichnet sich schon ab, wo der Schuh besonders drückt?

Grundsätzlich kann man sagen, dass die Beschäftigten eine größere Wertschätzung verdient haben. Diese soll sich in einer besseren Eingruppierung, aber auch in guten Arbeitsbedingungen nieder­schlagen. Die psychischen und physischen Anforderungen wachsen. Dem sollte Rechnung getragen werden. In unseren Vorgesprächen ist schnell ­deutlich geworden, dass heute zusätzliche Aufgaben, insbesondere im Bereich der Leitungsfunktionen, nicht aus­ reichend gewürdigt werden. Auch das wollen wir ändern.

Wie sieht der weitere ­Fahrplan aus?

Im Dezember wird die Bundestarifkommission auf Grundlage der Gespräche mit den Fachgewerkschaften die konkreten Forderungen beschließen. Im Januar 2015 werden wir dann diese Beschlüsse erneut mit den Beschäftigten vor Ort rückkoppeln. Das ist sozusagen das Feintuning, bevor es im Frühjahr in die Verhandlungen geht. Dann wird es darum gehen, gegenüber den Arbeitgebern auch in der Öffentlichkeit unsere Entschlossenheit zu zeigen. Wenn alle Beschäftigten mitziehen – und davon gehe ich aus – werden wir ein gutes Ergebnis erzielen.

 

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