Verband Bildung und Erziehung (VBE)Schülerproteste: Wer Mangel säht, erntet Protest
„Junge Menschen wachsen in einer Zeit auf, in der sich vieles gleichzeitig zuspitzt: Kriege und Krisen, der Klimawandel, sicherheitspolitische Unsicherheit und dazu Schulen, die seit Jahr-zehnten unter teilweise mangelhaften Bedingungen leiden“, erklärt Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des VBE am 19. Oktober 2026.
„Dass viele Jugendliche in Sorge sind und das laut sagen, ist nachvollziehbar und ein Zeichen von Engagement und einem hohen Grad an politischer und demokratischer Beteiligung. Ihre Forderungen nach besseren Bildungsbedingungen decken sich mit dem, was wir als VBE seit Jahren anmahnen. Gewalt in jeglicher Form, unabhängig davon, wer sie ausübt, lehnen wir konsequent ab“, so Neckov weiter.
Die Proteste von Schülerinnen und Schüler, die aus Frankreich auch nach Deutschland gekommen sind, beschäftigen Schulen im ganzen Land. Der VBE nimmt die Anliegen der Jugendlichen ernst und fordert von den Ländern klare Regeln, damit Lehrkräfte und Schulleitungen im Umgang mit Fehlzeiten und Blockaden nicht allein gelassen werden. Zugleich sieht der VBE die Schulen vor erhebliche praktische Probleme gestellt. Die Schulpflicht gilt weiter, die Praxis im Umgang mit protestbedingten Fehlzeiten ist jedoch von Land zu Land, teils von Schule zu Schule unterschiedlich. Da hier im Einzelfall entschieden werden muss, braucht es eine umgehende Unterstützung betroffener Schulen.
„Wenn junge Menschen auf die Straße gehen, zeigt das, dass sie Demokratie ernst nehmen. Diesen Anspruch wollen wir in der Schule einlösen“, so Neckov. „Demokratiebildung gelingt aber nicht nebenbei. Sie braucht Lehrkräfte, die Zeit haben, die Sorgen der Jugendlichen aufzugreifen, kontroverse Themen sachlich zu diskutieren und Mitbestimmung im Schulalltag erlebbar zu machen. Dafür braucht es mehr Investitionen in Personal und Gebäude. Lehrkräftemangel und Sanierungsstau gehören zu den Ursachen der Proteste, und ohne Abhilfe bleibt Demokratiebildung ein Versprechen auf dem Papier. Wer zugleich den Beamtenstatus von Lehrkräften infrage stellt, verunsichert diejenigen, die den Schulbetrieb Tag für Tag sichern. Auch das gehört zu den Unsicherheiten, die wir aktuell erleben. Wer die Sorgen der jungen Generation ernst nimmt, muss bei den Schulen anfangen.“
