Reform der europäischen Arbeitsvermittlung

„Der europäische Arbeitsmarkt steckt noch in den Kinderschuhen. Die Potentiale der grenzüberschreitenden Arbeitssuche werden bei Weitem noch nicht voll ausgeschöpft. Das muss sich ändern“, kommentiert Siglinde Hasse, Vorsitzende der dbb Grundsatzkommission für Sozialpolitik und Geschäftsführerin der Gewerkschaft der Sozialversicherung (GdS) den Vorschlag der Europäischen Kommission für eine Reform der Arbeitsvermittlung. „Der Wichtigste Aspekt der Reform muss ein hohes Qualitätsniveau sein. Nur dann wird auch das Vertrauen in das Angebot wachsen“, so Hasse. Der dbb hat zu den Kommissionsplänen Stellung genommen.

Die Kommission fordert in ihrem Vorschlag, den Informationsaustausch zwischen den Mitgliedstaaten effizienter und strukturierter zu gestalten. Dazu Siglinde Hasse: „Die aktuelle Situation in Europa zeigt, dass die Kommunikation zwischen den einzelnen Ländern deutlich besser werden muss. Bislang existieren einzelne nationale Arbeitsvermittlungen mit europäischen Spezialisten. Eine echte europäische Arbeitsvermittlung, in der die Informationen selbstverständlich europäisch verteilt werden, gibt es allerdings noch nicht.“ Zwar sei nicht jedes Stellenangebot gleichermaßen geeignet, in das EURES-Netz eingespeist zu werden, allerdings müsse das Angebot auf freiwilliger Basis deutlich stärker ausgeweitet werden.

Mit Blick auf die Erweiterung des Angebots um Praktikumsstellen zeigt Hasse sich skeptisch: „Natürlich kann es von großem Vorteil sein, während eines Praktikums einen wichtigen Einblick in die Arbeitswelt zu bekommen. Aber nach wie vor gibt es auch Praktika, die nur zum Vorteil des Arbeitgebers sind. Solange es keine verbindlichen Qualitätsstandards für Praktika in Europa gibt, sollte EURES diese nicht in sein Angebot aufnehmen“. Jeder, der das EURES-Netz in Anspruch nehme, müsse auf die Qualität der Angebote vertrauen können. Deshalb sei auch problematisch, dass künftig private Arbeitsvermittlungen in das Netzwerk integriert werden sollen. Das sei nur dann denkbar, wenn diese sich zu hohen Standards verpflichteten und auch strengen Kontrollen zustimmten.

Ein weiteres grundsätzliches Problem des ursprünglichen Vorschlags der Kommission sei, so Hasse, dass die Sozialpartner nicht ausreichend in die nationalen Lenkungsstrukturen einbezogen werden. „Die Reformen und neuen Bestimmungen müssen vor Ort immer von den Arbeitnehmern in die Praxis umgesetzt werden, deshalb müssen auch ihre Expertise und Anliegen gehört und berücksichtigt werden. Da muss im vorliegenden Vorschlag noch deutlich nachgearbeitet werden.“

 

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