Personalgewinnung in Krisenzeiten

„Was werden die öffentlichen Arbeitgeber den jungen Leuten anbieten können“, fragte die stellvertretende dbb Bundesvorsitzende Kirsten Lühmann mit Blick auf den demografischen Wandel und die zunehmend schwierige Suche nach Fachkräften auch im öffentlichen Dienst. In ihrer Eröffnungsrede einer Fachtagung der Akademie Europa am 11. Oktober in Hamburg sagte die Polizistin, die für die SPD im Bundestag sitzt, in Anwesenheit des stellvertretenden Parteivorsitzenden und Ersten Bürgermeisters der Stadt Hamburg, Olaf Scholz, der öffentliche Dienst sei das Rückgrat der Gesellschaft. Die CESI-Fachtagung beschäftigte sich am 11. und 12. Oktober mit der Frage, wie in Zeiten des Schuldenabbaus und des demografischen Wandels in Europa qualifiziertes Personal gewonnen und gehalten werden kann.

Personalgewinnung und Personalentwicklung in den öffentlichen Diensten der EU - Mitgliedstaaten stünden in Zukunft vor zwei Herausforderungen, so Lühmann. „Diese sind die Überwindung der Euro-Schuldenkrise und die Bewältigung des demografischen Wandels.“ Die stellvertretende dbb Bundesvorsitzende beschrieb die äußerst schwierigen Rahmenbedingungen für die Beschäftigten in vielen Euro-Ländern. „In vielen Ländern wurden und werden massiv Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut. Das geschieht nicht nur durch Einstellungsstopps. Und nicht allein durch die Nichtwiederbesetzung von Stellen, deren Inhaber in den Ruhestand gehen.“ In den Programmstaaten, wo die Troika Sparauflagen durchsetzt und überwacht, würden Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes entlassen.

Zwar sei Deutschland glücklicherweise nicht von solchen Maßnahmen betroffen. Nichtsdestotrotz sei der öffentliche Dienst auch hierzulande in den vergangenen 20 Jahren stark geschrumpft. „Wir haben im Vergleich zu 1991 über zwei Millionen Stellen verloren. Ihre Zahl ist von 6,7 auf 4,6 Millionen gesunken. Eine hohe Aufgabendichte, mehr Stress bis hin zum Burnout vieler Kolleginnen und Kollegen sind die Folge.“ Dass es aber schlimmer noch sein könne, zeigten die Entlassungen von Beamten in Ländern wie Griechenland und Portugal oder auch das Croke Park Agreement in Irland. „Sicher geglaubte Beschäftigungsverhältnisse werden unsicher, Einkommen eingefroren oder gar gekürzt.“ Dies seien für die Attraktivität der öffentlichen Dienste in Europa bedenkliche Entwicklungen.

„Wir haben zwei bis drei Jahrzehnte hinter uns, in denen es nicht sehr sexy war, für den Staat zu arbeiten. Privat vor Staat lautete die Parole. Die öffentliche Infrastruktur in Deutschland zum Beispiel ist überlastet, überaltert, dabei in die Brüche zu gehen. In vielen Nachbarstaaten dürfte das Bild ähnlich sein.“ Gerade als die Politik sich vor einigen Jahren darauf besonnen habe, wie wichtig die öffentliche Infrastruktur ist, habe die Krise Europa mit voller Wucht getroffen. In der Krise hätten Fehlentscheidungen privater Investoren und privater Banker eine Schuldenexplosion verursacht, deren Folgen die Bürger und auch die öffentlich Bediensteten nun tragen müssten. „In der Frage, wer haftet eigentlich für private Fehlentscheidungen, soll dann auf einmal nicht mehr Privat vor Staat gelten. Das darf so nicht weitergehen!“

 

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