Meidinger: Massiver Unterrichtsausfall nicht weiter tolerierbar

Der Deutsche Philologenverband sieht sich durch die veröffentlichte Recherche der Wochenzeitung „DIE ZEIT“ in seiner Einschätzung bestätigt, dass an deutschen Schulen erheblich mehr Unterricht ausfällt beziehungsweise nicht stundenplangemäß stattfindet, als von den Kultusbehörden bislang zugegeben wird.

„Seit Jahren weisen wir darauf hin, dass bis zu zehn Prozent des gesamten Unterrichtsvolumens ausfällt oder nur fachfremde Beaufsichtigung stattfindet. Konkret heißt das, dass wöchentlich klassenbezogen eine Million Schulstunden ausfällt beziehungsweise nicht ordnungsgemäß vertreten wird. Leider hat es nur in ganz wenigen Bundesländern bislang ernsthafte Versuche gegeben, diesen untragbaren Zustand zu beseitigen“, sagte Meidinger am 5. Oktober 2017. Er wies zudem darauf hin, dass angesichts der Datenlage eine personelle Unterrichtsreserve von zehn Prozent notwendig sei, das heißt eine Lehrerversorgung von 110 Prozent. Davon seien aber alle Bundesländer weit entfernt.

Auf die Gymnasien bezogen sagte Meidinger: „Im Gegensatz zu anderen Schularten, wo es derzeitig schwierig ist, Lehrerstellen zu besetzen, gibt es im Bereich der Gymnasien durchaus viele gutqualifizierte junge Lehrkräfte ohne Anstellung, die man für eine ausreichende Unterrichtsreserve gewinnen könnte. Die Länder müssen nur wollen. Wir diskutieren seit Jahren über G8 und G9, der eigentliche Skandal ist aber, dass vielen Gymnasialschülern in den letzten Jahren stundenmäßig nur ein G7 geboten wurde.“ Der DPhV Chef forderte die Kultusministerkonferenz (KMK) auf, endlich eine jährliche, aussagekräftige, ehrliche Aufstellung des Unterrichtsausfalls in allen Bundesländern vorzulegen. Dass die KMK dazu bislang nicht in der Lage sei, werfe kein gutes Licht auf den Bildungsföderalismus.

 

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