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Käßmann: Kirche muss sich stärker in gesellschaftliche Diskussionen einmischen

dbb Jahrestagung 2014

Die Kirchen in Deutschland müssen sich stärker in die aktuellen gesellschaftlichen Diskussionen einmischen. Dafür hat Margot Käßmann, Botschafterin des Rates der EKD für das Reformationsjubiläum 2017, plädiert. Auf der 55. Jahrestagung des dbb sagte Käßmann am 6. Januar 2014 in Köln in ihrem Fachvortrag "Reformation und Politik - Herausforderungen im 21. Jahrhundert": "Glaube findet nicht im Abseits statt. Er bewährt sich im Alltag." Die evangelische Theologin mahnte, die Kirche müsse sich zu Wort melden, wenn etwa Kinder mit Migrationsvordergrund weniger Bildungschancen bekämen. "Entscheidend ist, dass Integration dort gestärkt wird, wo sie jeden Tag stattfindet - beispielsweise in der Schule. Wir müssen uns wehren gegen Migrationsabwehr. Diesen Menschen muss ermöglicht werden, sich hier bei uns zu entwickeln."

Kirche dürfe sich nicht in eine "schöne, private Nische" abdrängen lassen. Auch Kritik an politischen Entscheidungen wie etwa zum Krieg in Afghanistan müsse zulässig sein. Allzu oft habe die Vergangenheit gezeigt, dass falsche Obrigkeitshörigkeit zu wenig Raum für Widerstandsgeist gelassen habe, etwa in der Zeit des Nationalsozalismus und der DDR.

Videoaufzeichung der Rede

Käßmann hob hervor, dass Deutschland ein "großartiger Sozialstaat" sei, auf den man zurecht stolz sein könne. Zur Frage, ob der Staat sich seiner Verantwortung zu stark entziehe, sagte sie: "Der Staat sind wir. Uns muss klar sein, dass wir nicht alle Verantwortung abwälzen können. Wir müssen uns vielmehr fragen: Wieviel Zivilgesellschaft leisten wir uns? Wir müssen uns alle mitbeiteiligen." Kirche dürfe sich nicht wegducken, sondern müsse sich kritischen Diskussionen stellen. "Das halte ich für reformatorisches Erbe", sagte Käßmann.

Die Feierlichkeiten zu 500 Jahre Reformation 2017 werden laut Käßmann "kein historisierendes Jubiläum" sein. "Ich freue mich darauf, Kirchen aus aller Welt begrüßen zu dürfen." Luther und die Reformation sollten als "weltweit prägendes Ereignis" gewürdigt werden.

 

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