Welttag der PatientensicherheitGesundheitsversorgung ist ohne Stabilität nicht zu machen
Digitale Primärversorgung, Medikamentenknappheit, Krankenhausreform – der stellvertretende dbb-Vorsitzende sieht die Gesundheitspolitik vor großen Herausforderungen.
„Die Schließung oder Zusammenlegung von Kliniken im ländlichen Raum darf die medizinische Versorgung nicht verschlechtern“, sagte Maik Wagner, stellvertretender Bundesvorsitzender des dbb, am 17. September 2026 mit Blick auf den Welttag der Patientensicherheit. „Bei vielen Menschen außerhalb der Großstädte weckt das Thema starke Emotionen, und das vollkommen zurecht. Es geht ihnen vor allem um eine schnelle und qualitativ hochwertige Versorgung im Notfall. Das muss die Politik sicherstellen. Und der Besuch beim Facharzt darf nicht zum Tagesausflug ausarten, weil es keine Praxis in zumutbarer Nähe mehr gibt.“
Weiterhin fordert Wagner die Bundesregierung auf, sich auf europäischer Ebene mehr gegen Engpässe bei der Medikamentenversorgung einzusetzen. „Wir brauchen mehr Unabhängigkeit, insbesondere von Indien und China, und müssen den Pharmastandort in Deutschland und Europa stärken. Dazu müssen wir über Bürokratieabbau und finanzielle Anreize sprechen. Meldungen, dass Medikamente knapp sind, gehören in die Vergangenheit.“
Schutz von sensiblen Gesundheitsdaten ist Priorität
Mit Blick auf ein geplantes Primärversorgungssystem, dem eine digitale Ersteinschätzung vorgeschaltet sein soll, äußerte Wagner Bedenken. Denn die Politik dürfe nicht vergessen, dass nicht alle Menschen digitalaffin sind, insbesondere ältere. Geplant ist, auch Künstliche Intelligenz bei der Ersteinschätzung einzusetzen. „Vorausgesetzt, der Datenschutz lässt sich ohne Einschränkungen gewährleisten, kann ein solches System sicher für Entlastung und Effizienz sorgen, was wir zweifelsohne brauchen“, resümierte der stellvertretende dbb-Vorsitzende. „Aber was ist mit Patientinnen und Patienten, die über Bauchschmerzen klagen? Das kann bestenfalls harmlos sein, aber schlimmstenfalls lebensbedrohlich. Insgesamt bin ich skeptisch. Entlastung und Effizienz dürfen nicht zulasten der Versorgungsqualität gehen. Das persönliche Arztgespräch ist durch nichts zu ersetzen.“

