Schleswig-Holstein

Expertenrat künstliche Intelligenz: Auswirkungen auf den öffentlichen Dienst

Im Rahmen der „Digitalen Woche Kiel“ hat der von der Landesregierung eingerichtete KI-Expertenrat am 18. September 2020 öffentlich getagt. Der dbb Landesvorsitzende Kai Tellkamp ist dort Mitglied und plädierte dafür, die Chancen und Risiken der künstlichen Intelligenz für den öffentlichen Dienst sorgfältig abzuwägen.

Akzeptanz, Qualifikation und Sicherheit seien unerlässlich, um im öffentlichen Dienst von neuen Technologien zu profitieren. Bedenken der Beschäftigten dürfen nicht ignoriert werden. Sinnvoll sei es, anhand konkreter und sorgfältig vorbereiteter Projekte darzustellen, dass die Nutzung künstlicher Intelligenz positive Auswirkungen auf Verwaltungsvorgänge haben kann. „Wenn es gut läuft, kann künstliche Intelligenz eine Antwort auf den unverändert bestehenden Arbeitsdruck und Personalmangel im öffentlichen Dienst sein“, so Tellkamp. Allerdings dürfe nicht vergessen werden, dass die Einführung neuer Verfahren ebenfalls personelle und technische Ressourcen erfordert. Andernfalls komme es nicht zu einer Modernisierung, sondern zu einer Überforderung des Staates. Das sei im Interesse der Beschäftigten und der Bürgerinnen und Bürger unbedingt zu verhindern. Tellkamp plädierte deshalb an die Politik, realistische Ziele zu formulieren.

Anhand eines konkreten Beispiels hat Tellkamp auch den Unterschied zwischen Digitalisierung und künstlicher Intelligenz verdeutlicht. In Schleswig-Holstein wird die Möglichkeit, Wohngeld online zu beantragen, als Leuchtturmprojekt dargestellt. Das sei ein - eigentlich überfälliger - Schritt zur Digitalisierung, habe aber noch nichts mit künstlicher Intelligenz zu tun. Davon würde man zum Beispiel reden, wenn ein System aufgrund verfügbarer Daten antragslos einen Anspruch auf Wohngeld erkennen und eine Auszahlung einleiten, möglicherweise sogar mit der Steuerschuld verrechnen würde. Welche Möglichkeiten der Modernisierung der Verwaltung der Sozialstaat am Ende wirklich nutzen möchte, müsse breit diskutiert werden.

 

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