EU im Kampf gegen Jugendarbeitslosigkeit

Nicht nur aufgrund der Covid-19-Pandemie ist in Europa das Risiko der Armutsgefährdung und sozialer Ausgrenzung gestiegen, vor allem in Süd- und Osteuropa. Die jungen Erwachsenen sind besonders gefährdet, da in dieser Gruppe die Langzeitarbeitslosigkeit in vielen Ländern vergleichsweise hoch ist.

Die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen (YEI) ist eine der wichtigsten finanziellen Ressourcen der EU, um die Umsetzung von Jugendgarantie-Programmen bis 2023 zu unterstützen. Die EU hat sie 2012 ins Leben gerufen, um junge Menschen zu unterstützen, die in Regionen leben, in denen die Jugendarbeitslosigkeit mehr als 25 Prozent beträgt.

In den Jahren 2021-2023 können die Mitgliedstaaten ihre Mittel für die YEI und den Europäischen Sozialfonds (ESF) dank der zusätzlichen EU-Mittel, die im Rahmen der „Aufbauhilfe für den Zusammenhalt und die Gebiete Europas“ (REACT-EU) zur Verfügung stehen, aufstocken, um jungen Menschen zu helfen, die von der Covid-19-Krise betroffen sind.

Die Jugendbeschäftigungsinitiative unterstützt ausschließlich so genannte „NEETs“. Das sind junge Menschen, die sich nicht in Ausbildung, Beschäftigung oder Training befinden, einschließlich der Langzeitarbeitslosen und derjenigen, die nicht als Arbeitssuchende registriert sind. Die Jugendbeschäftigungsinitiative stellt sicher, dass junge Menschen in den Teilen Europas, in denen die Herausforderungen am größten sind, gezielte Unterstützung erhalten können. Unter anderem finanziert die YEI die Bereitstellung von Ausbildungsplätzen, Praktika, Betriebspraktika sowie qualifizierende Weiterbildungen.

Im Rahmen der Jugendgarantie, deren Umsetzung die YEI unterstützt, sollten die Mitgliedstaaten Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, dass junge Menschen bis 25 Jahre innerhalb von vier Monaten nach Schulabschluss oder Arbeitslosigkeit ein angemessenes Angebot für eine Beschäftigung, eine Weiterbildung, eine Lehrstelle oder ein Praktikum erhalten.

Die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen ergänzt andere Maßnahmen auf nationaler Ebene, die insbesondere durch den ESF unterstützt werden und auf die Umsetzung von Jugendgarantieprogrammen abzielen. Der ESF kann über die direkte Unterstützung von Einzelpersonen hinausgehen und bei der Reform von Beschäftigung, Bildung, Ausbildung und sozialen Systemen und Dienstleistungen helfen.

Das Gesamtbudget der Jugendbeschäftigungsinitiative betrug für den Zeitraum 2014-2020 8,9 Milliarden Euro. Das ursprüngliche Budget betrug 6,4 Milliarden Euro, jedoch hat die EU angesichts der anhaltend hohen Jugendarbeitslosigkeit das Budget 2017, 2019 und 2020 um insgesamt 2,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Mitteln erhöht.

Die Hälfte des Budgets stammt aus einer eigenen Haushaltslinie für die Jugendbeschäftigungsinitiative, die durch einen entsprechenden Betrag aus dem ESF ergänzt wird. Die förderfähigen Mitgliedstaaten ergänzen die ESF-Mittel zusätzlich durch nationale Kofinanzierung. Die YEI wird in Übereinstimmung mit den ESF-Regeln umgesetzt.

Um die YEI-Maßnahmen vor Ort schneller zu mobilisieren, hat die EU den Mitgliedstaaten Mittel in Form von Vorfinanzierungen zur Verfügung gestellt, die 2015 ausnahmsweise auf 30 Prozent der speziellen YEI-Haushaltslinie erhöht wurden.

Für den Zeitraum 2021-2027 haben die EU-Institutionen zur Vereinfachung die Beschäftigungsinitiative für junge Menschen in den Europäischen Sozialfonds Plus (ESF+) integriert, wobei der Fokus auf Jugendbeschäftigung erhalten bleibt. Alle Mitgliedstaaten müssen einen angemessenen Teil ihrer ESF+-Mittel in gezielte Maßnahmen und Strukturreformen zur Förderung von Jugendbeschäftigung, Bildung und Ausbildung investieren.

Darüber hinaus sollen Mitgliedstaaten mit einer Quote junger Menschen im Alter von 15 bis 29 Jahren, die nicht in Beschäftigung, Bildung oder Ausbildung sind (NEET), die über dem EU-Durchschnitt für die Jahre 2017-2019 liegt, mindestens 12,5 Prozent ihrer ESF+-Mittel für die Jugend aufwenden.

Karoline Herrmann, Vorsitzende der dbb jugend sagt hierzu: „Die durch den Europäischen Sozialfonds angestoßenen Maßnahmen richten unter anderem eine besondere Aufmerksamkeit auf die Kinder und Jugendlichen in Europa. Die dbb jugend erachtet es als sehr wichtig, dass diese nicht zurückgelassen werden. Besonders durch die Covid-19-Pandemie vergrößerte sich die Gefahr der Jugendarmut und Jugendarbeitslosigkeit, die Situation für viele Kinder und Jugendliche wurde eine deutlich gravierende. Umso wichtiger ist es, dieser Entwicklung mit Hilfe des ESF entgegenzuwirken. Allerdings dürfen sich die Mitgliedstaaten nicht lediglich auf den ESF-Maßnahmen ausruhen. Wir fordern von allen Staaten der EU, dass sie darüber hinaus die Jugendarmut und Jugendarbeitslosigkeit in ihrem Staat bekämpfen. Beispielsweise brauchen wir gut ausgestattete Schulen und Universitäten sowie bessere Arbeitsbedingungen für die Lehrkräfte, damit eine individuellere Betreuung und Förderung möglich ist. Darüber hinaus muss das System der dualen Berufsausbildung gestärkt werden, um jungen Menschen eine Zukunft zu geben einerseits und um dauerhaft eine Antwort auf den drohenden Fachkräftemangel zu haben andererseits.“

 

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