• Steffi Sommerfeldt

Steffi Sommerfeldt, Elektrikerin

„Es wird immer schwerer, junge Menschen für die Bundeswehr zu gewinnen“

Ich heiße Steffi Sommerfeldt und komme aus dem Nordosten Deutschlands, genauer gesagt aus Eggesin. Ich bin 26 Jahre jung und Mitglied des VAB. Nach meiner Ausbildung bei der Bundeswehr in Trollenhagen zur Elektronikerin für Geräte und Systeme bin ich 2007 zum Bundeswehr Dienstleitstungszentrum in Torgelow gewechselt. Hier bin ich eine von 850 zivilen Mitarbeitern. In meiner Liegenschaft im Servicecenter Zielbau der Bundeswehr in Gumnitz arbeiten 50 Beschäftigte. Mathe und Physik haben mich schon immer sehr interessiert, somit war es für mich klar, einen technischen Beruf zu erlernen. Für mich ist es wichtig, zum Feierabend zu sehen, was ich den Tag über vollbracht habe. Zudem liebe ich die Abwechslung, die mir mein Beruf bietet, sei es Leiterplatten zu prüfen, Fehlersuche am Gerät zu betreiben oder Leitungen zu fertigen. Zu meinen Aufgaben gehören unter anderem die Durchführung von Instandsetzungen und Änderung an Zielbaugeräten für die Truppenübungsplätze der Bundeswehr. Auch die Überprüfung dieser Geräte gehört zu meinen Aufgaben; ebenso das Binden von Leitungsbäumen, das Prüfen von Leiterplatten am Computer und das Fertigen von verschiedensten Anschlussleitungen. Langweilig wird mir eigentlich nie. Mit meiner täglichen Arbeit bin ich zufrieden. Sie ist abwechslungsreich und auch das Teamwork in meiner Abteilung klappt gut. Ich hoffe, dass ich noch weitere Jahre hier arbeiten und vielleicht auch bei der Mitentwicklung neuer Geräte helfen kann. Bei all den Reformen weiß leider keiner so genau, wie sich die Bundeswehr in den nächsten Jahren entwickeln wird und welche Standorte erhalten bleiben.

Die Bundeswehr sollte mehr Auszubildende übernehmen

Einen Wehrmutstropfen gibt es allerdings: Echte Karrierechancen gibt es nicht wirklich bei uns. Momentan bin ich in der Entgeltgruppe 6 eingruppiert. Aber ich hoffe, irgendwann doch noch einmal höher zu steigen. Zum Ende meiner Ausbildung habe ich mich damals auch nach anderen Arbeitgebern umgesehen, zum Beispiel bei Siemens oder Airbus. Die Verdienstmöglichkeiten in diesen Firmen waren doch deutlich besser als die bei der Bundeswehr. Leider haben mir diese Firmen immer nur befristete Verträge angeboten. Die Bundeswehr ist da aber nicht anders. Das Bundeswehr Dienstleistungszentrum stellt jedes Jahr Azubis verschiedener Berufsbilder ein und einige wenige werden mit Glück auch nach der Ausbildung befristet übernommen. Unbefristete Übernahmen sind die Ausnahme. Ich hatte das Glück, aufgrund meines Mandats als Jugend- und Auszubildendenvertreterin einen unbefristeten Vertrag angeboten zu bekommen. Das ist eher Ausnahme als Regel. So ist es kein Wunder, dass es immer schwerer wird, junge Menschen für die Bundeswehr zu gewinnen, weil die Übernahmemöglichkeiten in vielen Fällen leider nicht gegeben sind. Niemand lässt sich gerne auf eine unsichere Zukunft ein. Gerade, wenn man eine Familie plant, muss es Sicherheit geben. Das war lange Zeit eines der Argumente, in den öffentlichen Dienst zu wechseln. Unter dieser Voraussetzung waren viele in der Vergangenheit bereit, Einbußen bei der Vergütung im Vergleich zur Privatwirtschaft zu akzeptieren. Aber schon seit längerem fällt auf, dass diese Praxis der Vergangenheit angehört. Meines Erachtens erwarten die jungen Menschen gleich zu Beginn ihrer Ausbildung die Zusage, nach erfolgreich abgeschlossener Ausbildung in ein Arbeitsverhältnis fest übernommen zu werden. Das kann die Bundeswehr ihnen in den meisten Fällen leider nicht bieten. Es wäre gut, wenn die Arbeitgeberseite hier umschwenken und mehr junge motivierte und gut ausgebildete Frauen und Männer unbefristet übernehmen würde.

Hohes Durchschnittsalter

Die Folgen der derzeitigen Übernahmepraxis sind jetzt schon absehbar. Der demografische Wandel schlägt bei uns voll durch. Das Durchschnittsalter liegt in unserem Bereich bei ungefähr 51 Jahren. Es kommen einfach nicht genug junge Kolleginnen und Kollegen nach. Wenn sich das so weiter entwickelt, werden Wissen und Know-how unweigerlich verloren gehen. Für die Einkommensrunde 2014 wünsche ich mir natürlich ein spürbares Ergebnis ohne die üblichen Rituale der Arbeitgeber. So gut wie Deutschland wirtschaftlich dasteht, gibt es doch eigentlich keine Argumente gegen eine ordentliche Lohnerhöhung. Wichtig ist aber auch, dass die Themen Befristungen und Nachwuchsgewinnung angesprochen werden. Hier sind die Arbeitgeber in der Pflicht, denn so wie bisher wird es nicht mehr lange gutgehen.

 

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