Deutscher Philologenverband (DPhV)Abordnungspraxis von Gymnasiallehrkräften gefährdet bundesweite Anerkennung des sächsischen Abiturs

Der DPhV warnt eindringlich vor einer Gefährdung der bundesweiten Anerkennung des sächsischen Abiturs infolge der aktuellen Abordnungspraxis von Gymnasiallehrkräften an andere Schularten.

dbb aktuell

Nach Auffassung des Verbandes führt ein systemischer Fehler in der Berechnungsgrundlage dazu, dass Gymnasien überproportional belastet werden und damit zugleich verbindliche Mindeststandards der Kultusministerkonferenz (KMK) für die gymnasiale Oberstufe unterschritten werden könnten. Der DPhV fordert das Sächsische Staatsministerium für Kultus auf, die Berechnungsfehler in der Abordnungspraxis unverzüglich zu korrigieren.

 

Grundlage für die bundesweite Anerkennung des Abiturs sind die Beschlüsse der Kultusministerkonferenz zur gymnasialen Oberstufe. Diese legen verbindlich fest, dass im gymnasialen Bildungsgang insgesamt mindestens 265 Jahreswochenstunden (inklusive 5 Stunden Wahlunterricht/Flexibilisierungsstunden) bis zum Abitur nachzuweisen sind. Diese Mindeststundenzahl ist integraler Bestandteil der „Vereinbarung zur Gestaltung der gymnasialen Oberstufe und der Abiturprüfung“ der KMK und stellt sicher, dass das Abitur bundesweit vergleichbar ist und anerkannt wird. Die Einhaltung dieser Stundenvorgaben ist nicht verhandelbar: Wird die Mindestzahl unterschritten, ist die Gleichwertigkeit des Abschlusses und damit dessen Anerkennung in allen Bundesländern gefährdet.

 

In Sachsen wird neu zur Steuerung von Lehrkräfteabordnungen eine schulindividuelle Kennziffer zur Unterrichtsversorgung gebildet. Diese berücksichtigt für die Abgabe von Lehrerstunden nur beim Gymnasium alle acht Jahrgangsstufen bis zum Abitur im Unterschied zu anderen Schularten mit weniger Jahrgangsstufen. Daraus ergibt sich eine überproportionale Abgabe von Lehrerstunden an den Gymnasien.

 

„Sachsen riskiert mit dieser unsachgemäßen Berechnung die Unterschreitung der von der KMK festgelegten Mindeststundenzahl für die bundesweite Anerkennung des Abiturs“, erklärt die Bundesvorsitzende des DPhV, Susanne Lin-Klitzing. Sie ist in Sorge um die bundesweite Anerkennung des Abiturs sächsischer Abiturienten und Abiturientinnen, das bisher Leuchtturmqualität hatte: „Das ist keine bloß verwaltungstechnische Frage, sondern betrifft erstmals unmittelbar die Qualität und Anerkennung des Abiturs. Schülerinnen und Schüler müssen sich doch darauf verlassen können, dass ihr Abschluss bundesweit gültig ist. Bereits in anderen Bundesländern zeigt sich zwar, dass der Lehrkräftemangel die Einhaltung von Stundentafeln zunehmend gefährdet. In Sachsen droht dieses Problem jedoch nicht nur durch Mangel, sondern durch eine fehlerhafte Steuerungsmaßnahme selbst erzeugt zu werden.“

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