Mecklenburg-VorpommernKnecht in Rostock: „Beschäftigte sind nicht die Sparbüchse der Stadt“
Vor mehr als 1.500 Beschäftigten der Hanse- und Universitätsstadt Rostock haben, der dbb M-V und die komba gewerkschaft M-V auf der Personalversammlung am 8. Juni in der Rostocker Stadthalle vor Personalabbau, Nachbesetzungssperren und tarifpolitischen Sonderwegen gewarnt.
Sie forderten verlässliche Rahmenbedingungen, ausreichendes Personal und eine starke Tarifbindung statt Einsparungen zulasten der Beschäftigten. Vor mehr als 1.500 Teilnehmenden machte der Landesvorsitzende des dbb M-V, Dietmar Knecht, deutlich: Eine leistungsfähige Stadtverwaltung brauche motivierte Beschäftigte, verlässliche Arbeitsbedingungen und ausreichende personelle Ausstattung.
„Die Leistungsfähigkeit einer Stadt misst sich nicht an Gebäuden oder Organigrammen – sie misst sich an den Menschen, die ihren Dienst leisten“, sagte Knecht. Beschäftigte sorgten täglich dafür, dass Verwaltung funktioniere, Kitas geöffnet blieben, Infrastruktur erhalten werde und Bürgerinnen und Bürger verlässliche Ansprechpartner hätten.
Mit Sorge betrachten die Gewerkschaften die Auswirkungen der öffentlichen Debatte über die finanzielle Lage der Stadt. Wer aus Medienberichten oder politischen Diskussionen Zweifel an der Zahlungsfähigkeit einer Kommune oder an der Sicherheit der Gehaltszahlungen wahrnehme, verliere Vertrauen in die Verlässlichkeit des Arbeitgebers.
Knecht stellte klar: „Beschäftigte dürfen nicht zu den ersten Leidtragenden finanzpolitischer Debatten werden. Die Gehaltszahlung ist keine freiwillige Leistung, sondern Ausdruck eines gegenseitigen Vertrauensverhältnisses.“
Kritisch sehen dbb und komba m-v insbesondere Forderungen nach pauschalen Nachbesetzungssperren, Stellenkürzungen oder tarifpolitischen Abweichungen vom Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD). Bereits heute arbeiteten viele Bereiche der Verwaltung unter hoher Belastung, offene Stellen blieben über längere Zeit unbesetzt und die Gewinnung von Fachkräften werde zunehmend schwieriger. „Wer unter diesen Bedingungen Nachbesetzungen verzögert oder Stellen abbaut, spart nicht an Strukturen – er spart an Leistungsfähigkeit“, betonte Knecht.
Auch mit Blick auf die demografische Entwicklung warnte er vor den Folgen einer weiteren Ausdünnung des Personals: Die öffentliche Daseinsvorsorge könne dauerhaft nur mit ausreichend Beschäftigten gesichert werden. Andernfalls drohten längere Bearbeitungszeiten, weniger Service und eine wachsende Belastung für die verbleibenden Mitarbeitenden.
