dbb-BildungsgewerkschaftenBericht „Bildung in Deutschland 2026“: Sorge vor Benachteiligung
Bildung in Deutschland ist ein Bericht, der alle 2 Jahre eine systematische Bestandsaufnahme des deutschen Bildungssystems auf Basis von Daten der amtlichen Statistik und aus sozialwissenschaftlichen Erhebungen bietet.
„Die Ergebnisse des aktuellen Bildungsberichtes sind ein Armutszeugnis für eine der größten Volkswirtschaften weltweit. Die Folgen der bildungspolitischen Versäumnisse der vergangenen Jahrzehnte werden immer sichtbarer und lassen sich nicht mehr ignorieren. Insbesondere Kinder aus sozial benachteiligten Familien haben bereits vor dem Eintritt in die Schule schlechtere Chancen auf Bildung. Dies zieht sich durch den gesamten Bildungsverlauf, so haben Kinder aus sozial benachteiligten Familien die grundlegenden Kompetenzen im Lesen zu fast 40 Prozent und in Mathematik zu fast 50 Prozent nicht erreicht. Kinder aus privilegierten Elternhäusern betrifft dies nur zu jeweils 9 Prozent. Den Grund dafür sehen wir in der Praxis Tag für Tag: Schulen leiden unter massivem Personalmangel, sanierungsbedürftigen Gebäuden und einer mangelhaften Digitalisierung und trotzdem sollen sie neben ihrem Bildungsauftrag immer neue gesellschaftliche Herausforderungen lösen. Dass dieser Spagat insbesondere bei der notwendigen individuellen Förderung betroffener Kinder Spuren hinterlassen muss, ist offensichtlich und wird vom VBE seit vielen Jahren angemahnt“, kommentiert eTomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) anlässlich der Veröffentlichung des Berichts „Bildung in Deutschland 2026“.
Der Deutsche Philologenverband (DPhV) hält fest: Der nationale Bildungsbericht bestätigt mit seinem diesjährigen Schwerpunktkapitel erneut, was zahlreiche Untersuchungen und Studien in der Vergangenheit gezeigt haben: Ohne verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schularten bleiben leistungsstarke Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund benachteiligt – selbst bei gleichen Leistungen und Noten. Angesichts dieser erneuten Befunde mahnt der Deutsche Philologenverband (DPhV) an, dass auf jahrelange, wertvolle Diagnosen endlich konkretes politisches Handeln folgen muss – mit einer verbindlichen Übergangsempfehlung von der Grundschule auf die weiterführenden Schularten, um leistungsstarken Kindern unabhängig vom sozioökonomischen Hintergrund den Übergang auf das Gymnasium endlich leistungsgerechter zu ermöglichen. Die PhV-Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing machte deutlich: „Ist der Elternwille für den Übergang auf die weiterführende Schule allein entscheidend, profitieren erfahrungsgemäß eher ressourcenstarke Familien. Ziel muss es jedoch sein, für jedes Kind die passgenaue Schulart zu finden, die zur Begabung und zur individuellen Lernentwicklung passt – um Überforderung und Unterforderung zu vermeiden. Es braucht also eine verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen, die den Elternwillen und zugleich die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt!“
