Wildfeuer: Bund, Länder und Kommunen müssen beim Ausbau der Kindertagesbetreuung Tempo machen

Die dbb bundesfrauenvertretung hat den zügigen Ausbau der Tagesbetreuung für Kinder unter drei Jahren gefordert. „Gerade einmal jedes vierte Kind unter drei Jahren wird in einer geförderten Betreuungseinrichtung betreut. Das bedeutet einen Zuwachs an Betreuungsplätzen innerhalb eines Jahres von mickrigen zwei Prozent. Bund, Länder und Kommunen müssen jetzt ordentlich Tempo machen, um das gesteckte Minimalziel von einer bundesweiten Betreuungsrate von 35 Prozent bis 2013 zu erreichen. Mehr als 230 000 Plätze müssen dafür noch geschaffen werden“, sagte Helene Wildfeuer, Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung am 8. November 2011. Gleichzeitig kritisierte sie das Vorhaben der Regierungskoalition, ein „teures“ Betreuungsgeld einzuführen, anstatt den Wünschen der Bevölkerung nach mehr außerhäusiger Betreuung nachzukommen. Aber nicht nur bei der Finanzierung des Kita-Ausbaus müsse nachgebessert werden, sondern auch die Personalfrage nach gut ausgebildeten Erzieherinnen und Erziehern müsse geklärt werden. „Der im Kinderförderungsgesetz festgeschriebene Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr, der zum Kindergartenjahr 2012/13 wirksam wird, muss auf seine Umsetzbarkeit geprüft werden – im Hinblick auf dessen Auswirkungen auf die Situation der Beschäftigten in den zuständigen kommunalen Verwaltungen und Betreuungseinrichtungen, aber auch um mögliche Klagewellen zu vermeiden“, so die Vorsitzende.

Zudem wies Helene Wildfeuer auf die deutlichen Unterschiede bezüglich der Kinderbetreuung von Kleinkindern in den einzelnen Bundesländern hin. „Es kann nicht sein, dass in Flächenländern wie in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen nicht einmal jedes fünfte Kind die Garantie auf einen öffentlich geförderten Betreuungsplatz hat, während in den neuen Bundesländern fast jedes zweite Kind unter drei Jahren in einer Krippe oder Kita untergebracht ist,“ hob die Vorsitzende hervor und appellierte an den Bund, die Kommunen beim Ausbau noch intensiver zu unterstützen. Insbesondere Familien, die auf ein zweites volles Erwerbseinkommen angewiesen seien, würden hier im Stich gelassen. „Vor allem junge Frauen mit beruflichen Ambitionen werden in eine missliche Lage gedrängt, egal ob sie in der freien Wirtschaft oder im öffentlichen Dienst beschäftigt sind. Denn noch immer sind es überwiegend die Mütter, die für eine Familie mit Kindern beruflich zurückstecken. Und ohne Ganztagskinderbetreuung bleibt vielen berufstätigen Frauen nur der Weg in die Teilzeit. Damit einher gehen wiederum schlechtere Aufstiegschancen, niedrigere Erwerbseinkünfte und in Folge auch geringe Alterssicherungsleistungen“, gab Helene Wildfeuer zu bedenken.

Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, wurden zum 1. März 2011 rund 517 000 Kinder, und somit 45 000 Kinder mehr als im Vorjahr extern betreut. Damit steigt die Betreuungsquote im Bundesdurchschnitt von 23,1 Prozent auf 25,4 Prozent. Jedoch weisen die Statistiker auch darauf hin, dass der Ausbau der Betreuungsangebote langsamer voran ging als im Jahr zuvor: Zwischen März 2009 und März 2010 hatte sich die Zahl der Betreuungsplätze noch um rund 55 000 Plätze erhöht. Wie von Bund, Ländern und Kommunen vereinbart, sollen bis zum Jahr 2013 für 750 000 Kinder unter drei Jahren Betreuungsplätze in einer Tageseinrichtung oder in Tagespflege zur Verfügung stehen.

 

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