dbb bundesfrauenvertretung zum demografischen Wandel:

Wildfeuer: „Arbeitskultur benötigt Generalüberholung“

Die dbb bundesfrauenvertretung hat die Ziele der Bundesregierung begrüßt, bis 2012 eine Strategie auszuarbeiten, wie der Staat mit den Auswirkungen des demografischen Wandels umgehen will. „In Deutschland erhalten Frauen derzeit fast 60 Prozent weniger eigene Alterssicherungsleistungen als Männer. Diese Zahlen zeigen in erschreckender Deutlichkeit, wie stark sich die noch immer bestehenden Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen im Alter tatsächlich auswirken. Wenn jetzt nicht umgehend nachgesteuert wird, laufen wir Gefahr, eine neue Zweiklassengesellschaft zu kreieren, in der das Geschlecht über Wohlstand im Alter entscheidet“, sagte Helene Wildfeuer am 7. November 2011. Sie forderte die Regierung auf, dringend notwendige arbeitsmarktpolitische Maßnahmen in Angriff zu nehmen, um eine weitere Zuspitzung der aktuellen Situation zu verhindern.

„Was wir jetzt brauchen, ist die schnelle und unbürokratische Umsetzung einer familienfreundlichen Arbeitspolitik auch im öffentlichen Dienst. Das bedeutet aber auch, dass die zuständigen Bundesministerien, die öffentlichen Arbeitgeber und die Personalvertretungen dichter zusammenrücken müssen“, betonte Helene Wildfeuer. Wie die Prognosen des kürzlich veröffentlichten Demografieberichts zeigten, reiche es nicht aus, dass Frauen bloß mehr Kinder zur Welt brächten, um die Überalterung der Gesellschaft und die damit einhergehenden Probleme wie etwa Fachkräftemangel und Altersarmut zu stoppen. Vielmehr müsste die Arbeitskultur einer gründlichen Generalüberholung unterzogen werden. „Deutschlands Arbeitswelt muss insgesamt kinder- und frauenfreundlicher werden. Das heißt, Frauen müssen besser bezahlt und bei der Familienarbeit entlastet werden. Es müssen ausreichend Kinderbetreuungsangebote zur Verfügung gestellt, Entgeltdiskriminierungen müssen dringend beseitigt und Führungsaufgaben auch für Teilzeitkräfte zugänglich gemacht werden und zwar besser heute als morgen“, so die Vorsitzende.

Der Demografiebericht gibt laut Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich erstmals eine umfassende Bestandsaufnahme der demografischen Lage in Deutschland und der zu erwartenden Entwicklung wieder. Daraus geht hervor, dass die Bevölkerungszahl schrumpft: Bis zum Jahr 2060 sollen danach nur noch 65 bis 70 Millionen Menschen in Deutschland leben. Jeder Dritte (34 Prozent) wird dann mindestens 65 Jahre alt sein. Als Leitziele von gesamtstaatlicher Bedeutung benennt der Bericht Chancen eines längeren Lebens erkennen und nutzen; Wachstumsperspektiven stärken und Wohlstand sichern; soziale Gerechtigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt erhalten und stärken; Handlungsfähigkeit des Staates bewahren.

 

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