Verband Deutscher Realschullehrer (VDR)

„Nachhilfeprogramm“: Böhm kritisiert Wortwahl

Mit Blick auf das „Nachhilfeprogramm“ des Bundesbildungsministeriums hat der VDR Bundesvorsitzende und dbb Vize Jürgen Böhm die Wortwahl kritisiert und fordert pragmatischere Lösungen.

„Allein den Begriff ‚Nachhilfeprogramm‘ halte ich schon für daneben und irreführend. Hier wird bewusst der Eindruck vermittelt, als hätte Bildung bei allen Corona-bedingten Mängeln in den vergangenen Monaten in Deutschland überhaupt nicht stattgefunden und als hätten die Kinder und Jugendlichen keine Anstrengungen unternommen. Das ist wie ein Schlag ins Gesicht der Lehrkräfte und Schüler für die Arbeit, die geleistet wurde“, sagte Böhm. Dabei sei bei Weitem nicht so viel Unterricht ausgefallen, wie es in der Öffentlichkeit oft dargestellt werde. „Das ist typisch für Deutschland: man verfällt wieder einmal in einen Jammermodus. Sinnvoller wäre es, die notwendige Maßnahme jetzt als Initiative, Stärkung oder Aufbruch zu bezeichnen. Was wir brauchen sind endlich finanzielle Mittel für zusätzliches Fachpersonal an den Schulen und für differenzierte Förderung. Und dafür reicht eine Milliarde Euro sicherlich nicht aus. Das ist wie ein Tropfen auf den heißen Stein, der letztlich von einer zu erwartenden bundesweiten Antragsbürokratie verdampft wird.“

Die Gelder des Programms müssten stattdessen in weitere Lehrerstunden (sogenannte integrierte Lehrerreserven) investiert werden, mit denen man Klassen in leistungsdifferenzierte Gruppen aufteilen und Kinder so individuell fördern könne. Außerdem müssten innovative Bildungsanbieter gefördert werden, die digitale Bildungsangebote gerade aus den Distanzerfahrungen der Pandemie an die Jugendlichen herantragen könnten. „Was nicht sein darf, ist, dass die Kolleginnen und Kollegen jetzt nochmals Mehraufgaben bekommen. Und bei aller Notwendigkeit der Förderung, sollte man jungen Menschen die notwendige Zeit der Erholung, der Freiheit und des Entdeckens in den hoffentlich grenzenlos freien Sommerferien zugestehen“, erklärte Böhm.

 

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