dbb Lehrergewerkschaften

Kultusministerkonferenz (KMK) in der Kritik

Die KMK hat Berechnungen für den Lehrkräftebedarf bis 2030 vorgestellt. dbb Lehrergewerkschaften kritisieren derweil auch den Streit um die politischen Strukturen in der Bildungspolitik.

Die Chefs des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB) bemängeln nach der KMK-Prognose, dass in erster Linie Lehrkräfte für die berufliche Bildung fehlten. „Die Situation ist schon lange brenzlig. Der Bedarf steigt bis 2030 noch weiter an und das Lehrerangebot bleibt auf der Strecke“, so BvLB Vorsitzender Joachim Maiß. „Es fehlen grundständig qualifizierte Lehrkräfte. Berufliche Schulen setzen schon oft auf Seiteneinsteiger, die „on the job“ nachqualifiziert werden. Was ursprünglich als Notlösung gedacht war, ist heute gängige Praxis“, sagte auch der BvLB Vorsitzende Eugen Straubinger.

Udo Beckmann, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), übte grundsätzliche Kritik an der KMK-Methodik: „Diese Erkenntnisse sind doch heute schon Schnee von gestern. Der Lehrkräftebedarf wird aus dem heutigen Status Quo hochgerechnet. Dabei wissen wir doch jetzt schon, dass bis 2025 der Rechtsanspruch auf Ganztagsbildung und -betreuung umgesetzt werden soll. Hinzu kommen Inklusion, Integration und das Lernen und Lehren unter Nutzung digitaler Endgeräte. Der Lehrkräftebedarf muss endlich entsprechend dieser erhöhten Bedarfe berechnet werden.“ Auch die Vorsitzende des Deutschen Philologenverband (DPhV) Susanne Lin-Klitzing machte deutlich: Es muss endlich Schluss sein mit dem Lehrkräftemangel aufgrund von mangelhafter Planung durch die Länder. Wer heute - in welchem Fach auch immer - nicht genügend Fachlehrer bereitstellt, ist verantwortlich für die unbefriedigenden Ergebnisse unserer Schülerinnen und Schüler in den Vergleichsuntersuchungen von morgen.“

Nach dem Scheitern des Nationalen Bildungsrates (Bayern und Baden-Württemberg haben ihren Rückzug angekündigt) will die KMK nun einen wissenschaftlichen Beirat einrichten. VBE Chef Beckmann: „Wir begrüßen, dass die Kultusministerkonferenz damit eingesteht, dass zur Lösung der vielfältigen Herausforderungen Beratung durch ein unabhängiges Gremium erforderlich ist. Wenn es so umgesetzt wird, wie momentan geplant, bleibt die Praxis jedoch ungehört. Das wäre eine vertane Chance.“ Die DPhV Bundesvorsitzende Lin-Klitzing erneuerte in diesem Zusammenhang ihre Forderung nach einer grundlegenden Reform der KMK. Wechselnde Schwerpunktsetzungen durch die jährlich rotierende Präsidentschaft würden bisher das substanzielle Angehen der länderübergreifenden Herausforderungen erschweren. „Eine mindestens dreijährige Amtszeit der jeweiligen KMK-Präsidentschaft und einen wissenschaftlichen Beirat, der ähnlich einem Sachverständigenrat die reformierte KMK berät. Mindestens das brauchen wir, um angemessen die komplexen Probleme im Bildungsföderalismus kontinuierlicher anzugehen und Ziele auf höherem Niveau verbindlicher erreichen zu können.“

 

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