Klitzing zu neuen Denkansätzen

„‘Neue Denkansätze‘ in der Bildung scheint für die Europäische Kommission zu bedeuten, den Schulbetrieb ausschließlich auf marktwirtschaftliche Bedürfnisse auszurichten. Das ist aber nicht neu, sondern schon immer der falsche Weg“, kommentierte der stellvertretende Vorsitzende der CESI-Bildungskommission EDUC Horst-Günther Klitzing den neuen Vorstoß der Europäischen Kommission vom 20. November. In ‚Neue Denkansätze für die Bildung‘ werden Vorschläge gemacht, wie die Bildungsziele der Europäischen Kommission besser umgesetzt werden können. „Die Kommission präsentiert nur alte Ideen mit neuem Anstrich. Mit diesem Ansatz kommen wir bei der Frage der Chancengerechtigkeit durch Bildung sicher nicht weiter.“

„Es ist zweifellos wichtig, junge Menschen noch besser auf ihr Berufsleben vorzubereiten. Allerdings müssen dabei auch die richtigen Prioritäten gesetzt werden“, forderte Klitzing. Die EU-Kommissarin für Bildung, Androulla Vassiliou habe Recht, wenn sie effiziente, zielgerichtete Investitionen fordere, allerdings bleibe unklar, was sie damit meine. „Es ist schon bemerkenswert, wenn die Kommissarin ein Bildungssystem fordert, das ‚vielseitig einsetzbare Arbeitskräfte‘ hervorbringt. Wer Bildung so einseitig betrachtet, wird den eigentlichen Problemen nicht gerecht“, erklärte Klitzing. Bildung müsse Menschen dazu anregen, ihre Talente zu entdecken und zu entwickeln. Dabei sei es aber auch wichtig, Freiräume zuzulassen. „Natürlich müssen wir in den Schulen Grundkompetenzen unterrichten. Ob aber der von der Kommission geforderte Unternehmergeist mit an erster Stelle stehen muss, ist fraglich.“

Die Last der Reformen sollen aus Sicht der Europäischen Kommission hauptsächlich die Lehrer tragen, die ‚ihre eigenen Kenntnisse und Fertigkeiten durch regelmäßige Fortbildungen auf den neuesten Stand bringen‘ müssten. „Das geht an der Realität vieler Lehrerinnen und Lehrer in Europa vorbei. Die Anzahl der Lehrkräfte wird häufig reduziert, die Schülerzahlen pro Klasse steigen. Fortbildungen sind deshalb immer seltener möglich. Ohne die Unterstützung der Arbeitgeber kann die einzelne Lehrkraft wenig ausrichten.“ Außerdem würden aufgrund klammer öffentlicher Haushalte auch an anderer Stelle wichtige Investitionen zurückgestellt. „Viele Schulgebäude sind alt, die technische Ausstattung entspricht längst schon nicht mehr modernen Ansprüchen. Das muss sich dringend ändern. Hier sollten die Mitgliedstaaten ihre Prioritäten setzen.“

 

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