Verband Bildung und Erziehung (VBE)Kitaleitungsumfrage: Übergang zur Schule braucht mehr als guten Willen
Eine Befragung von über 5.000 Kitaleitungen zeigt eine hohe Arbeitsbelastung, weil hohes Engagement die zu geringe Leitungszeit ausgleichen muss. Das teilte der VBE am 13. April 2026 mit.
„Der Übergang von der Kita in die Grundschule ist ein elementarer Schritt in der Bildungsbiografie. Wir sehen, dass das pädagogische Wissen und eine hohe Bereitschaft zur Kooperation vorhanden sind, aber fast 80 Prozent der Kitaleitungen angeben, dass Personal und Zeit fehlen“, so VBE-Chef Tomi Neckov. „Dabei sehen wir: Je strukturierter die Zusammenarbeit ist, umso besser können Kinder in den Prozess des Übergangs eingebunden werden. Dafür müssen alle Verantwortungsebenen stärker miteinander kooperieren. So stellen es die Bildungsminister- und die Jugend- und Familienkonferenz auch in ihren kürzlich veröffentlichten Empfehlungen zum Übergang von der Kita in die Schule heraus. Jetzt muss dieser politische Wille aber auch praktische Konsequenzen haben. Ein gelingender Übergang braucht Ressourcen.“
Über die Hälfte der Kitaleitungen geben an, dass die vertraglich vereinbarte Leitungszeit unter der tatsächlichen Leitungszeit liegt. So wenden zum Beispiel fast drei Viertel der Leitungen 60 Prozent ihrer Arbeitszeit für Leitungsaufgaben auf, aber nur der Hälfte steht dieses Stundenkontingent auch vertraglich zu. Neckov: „Die Daten zeigen kein Belastungsproblem einzelner Einrichtungen – sondern ein System, das nur funktioniert, weil Leitungen dauerhaft über ihre Grenzen gehen. Das zeigt sich auch daran, dass fast 40 Prozent den Job nicht (mehr) weiterempfehlen würden.“
Über die letzten Jahre hinweg geben weniger Kitaleitungen an, dass es schwieriger wird, Personal zu finden (2023: 84,2 %; 2024: 59,5 %; 2025: 52,2 %). Trotzdem geben nur 15 Prozent der Kitaleitungen an, dass es einfacher geworden ist, Personal zu finden. Tomi Neckov warnt deshalb: „Die Situation ist sehr heterogen. Während wir im Westen und Süden des Landes noch mitten im Ausbau des Betreuungssystems sind, entsteht im Osten des Landes durch die demografische Entwicklung das Potenzial für kleinere Gruppen und die Einhaltung der wissenschaftlich empfohlenen Fachkraft-Kind-Relation.“
Als wichtigsten Entwicklungs- und Bildungsbereich für den Übergang zwischen Kita und Schule nennt die Hälfte der Leitungen sozial-emotionale Kompetenzen, wie Kooperationsfähigkeit, Konfliktlösung, Selbstregulation, Empathie. Ein knappes Drittel fokussiert sich auf sprachliche Bildung und Literacy, also Wortschatz, Erzählfähigkeit, phonologische Bewusstheit und frühes Schriftverständnis. Ein Qualitätsentwicklungsgesetz, wie im Koalitionsvertrag der aktuellen Bundesregierung angekündigt, könnte dabei helfen, hierfür Standards zu schaffen und verbindliche Förderung einzufordern.


