Immer mehr Seiteneinsteiger als Lehrkräfte: VBE sieht „pädagogische Misere“

„Es gibt im Schulbereich eine hohe Zahl an Seiteneinsteigern und diese werden oftmals nicht oder ungenügend auf die pädagogischen Herausforderungen vorbereitet. Der Lehrermangel führt zu einer absurden Abwägung zwischen Unterrichtsversorgung und dem Anspruch der Schüle-rinnen und Schüler auf pädagogische Qualität“, sagte Udo Beckmann, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), am 31. August 2017.

Verantwortlich für diese Misere sei die Politik. Zunächst seien zu niedrige Schülerzahlprognosen gestellt, dann - darauf basierend -  zu wenige Lehrkräfte ausgebildet worden. Nun müswürde auf Seiteneinsteiger „in immenser Anzahl“ zurückgegriffen. Beckmann: „Fatal ist, dass das, was ursprünglich als Notlösung gedacht war, inzwischen zur Regel und damit Teil der Planung der Ministerien geworden ist. Unsere Gesundheit würden wir nicht in die Hände von Ärzten legen, die keine entsprechende Qualifikation haben – aber bei unseren Kindern kümmert die Politik diese halbgare Ausbildung anscheinend nicht. Das ist aus Sicht der Kinder schlichtweg unterlassene Hilfeleistung.“

In Berlin seien mittlerweile 53 Prozent der neu eingestellten Lehrkräfte an Grundschulen Seiteneinsteiger, in Sachsen sind mehr als die Hälfte. Bei den bisherigen Einstellungen in Nordrhein-Westfalen habe die Quote von Seiteneinsteigern bei knapp 10 Prozent gelegen. Bei der Besetzung noch offener Stellen sei aber von einem Anstieg der Quote im Grundschulbereich auf bis zu 30 Prozent auszugehen. Diese Personen würden ohne pädagogische Vorbildung direkt oder nach kurzer Qualifizierung eingesetzt. „Für die Profession der Lehrkräfte ist das ein verheerendes Zeichen, sagt es doch: Was die in fünf, sechs Jahren im Studium lernen, können andere ad hoc“, sagte Beckmann. Auch für die Seiteneinsteiger sei es von Vorteil, wenn sie pädagogisch qualifiziert würden.

Um des Lehrermangels endlich Herr zu werden, brauche es realistische Schülerzahlprognosen. Zudem müssten sich die Bundesländer verpflichten, ausreichende Studienkapazitäten zu schaffen, um den eigenen Bedarf für alle Schulformen zu decken. „Und nicht zuletzt muss der Lehrerberuf so attraktiv gestaltet werden, dass ihn viele junge Menschen gerne ausüben möchten“, so der VBE Chef. „Dazu gehört die Bereitstellung der Gelingensbedingungen genauso wie gute Perspektiven durch Fort- und Weiterbildung innerhalb der Dienstzeit und vor allem eine angemessene Einstiegsvergütung nach A13/EG13, unabhängig von Schulform und –stufe.“

 

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