• Das Foto zeigt Volker Geyer, Bundesvorsitzender des dbb

Interview im TagesspiegelGeyer: „Ein Begriff wie Lifestyle-Teilzeit ist total daneben“

Im Interview mit dem „Tagesspiegel“ macht dbb-Chef Volker Geyer klar, dass er von der Politik mehr Wertschätzung für die Beschäftigten erwartet.

Arbeit & Wirtschaft

Mit Blick auf die jüngsten Diskussionen um das Recht auf Teilzeit sagte Geyer der Zeitung: „Die Beschäftigten in Deutschland sind sehr fleißig. Ein Begriff wie ‚Lifestyle-Teilzeit‘ ist deshalb total daneben, und wenn Politiker den Leuten sagen, ihr müsst noch mehr arbeiten und noch mehr arbeiten, dann verkennt das die Wirklichkeit in den Betrieben und Dienststellen. Wir erwarten einen wertschätzenden Umgang von der Politik und von den Arbeitgebern mit den Beschäftigten.“

Der dbb-Bundesvorsitzende zeigte sich außerdem zuversichtlich, dass die Bundesregierung bald einen Gesetzentwurf für eine verfassungskonforme Besoldung vorlegt: „Nach der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zur Besoldung in Berlin müssen die neuen Parameter im Gesetzentwurf berücksichtig werden. Ich verlasse mich auf die Zusage des Bundesinnenministers.“ Kritik übte Geyer an den unsachlichen Debatten über die Versorgung: „Für die Pensionsverpflichtungen hätten Bund und Länder konsequent Rückstellungen bilden müssen. Sie sparen ja in der aktiven Phase auch enorme Summen. Das fordern wir seit Jahrzehnten, doch kaum jemand macht das.“

Vor der dritten Runde der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder, die am kommenden Mittwoch in Potsdam beginnt, bekräftigte Geyer erneut: „Für alle Beschäftigte des öffentlichen Dienstes in den Ländern fordern wir sieben Prozent, mindestens 300 Euro monatlich mehr. Angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten ist die Forderung völlig berechtigt.“ In der Einkommensrunde gehe es auch um grundsätzliche Fragen: „Will man einen funktionierenden öffentlichen Dienst oder will man den nicht? Im Rahmen unserer Bürgerbefragung haben 73 Prozent gesagt, dass sie den Staat nicht mehr für handlungsfähig halten. Vor allem in der Bildung sehen die Menschen großen Handlungsbedarf, es fehlen weit über 100.000 Lehrerinnen und Lehrer.“

 

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