dbb Lehrerverbände

Geplante Schul- und Kita-Öffnungen: Pädagogisches Personal braucht Sicherheit

In der Diskussion um die geplante Rückkehr von Schulen und Kitas zum „Normalbetrieb“ haben Lehrerverbände im dbb deutliche Kritik an der Politik geübt.

Der Verband Bildung und Erziehung hat zur aktuellen Situation bei forsa eine repräsentative Umfrage unter 1.006 Lehrkräften allgemeinbildender Schulen beauftragt. „Die Kultusministerien ordnen die Aufhebung des Abstandes an, während sich jede dritte Lehrkraft durch die bestehenden Hygiene- und Schutzmaßnahmen jetzt schon nicht ausreichend geschützt fühlt“, sagte VBE Chef Udo Beckmann mit Blick auf die Ergebnisse. „Es wird zu wenig getan, um den veränderten Bedingungen gerecht zu werden. So berichten 29 Prozent der Lehrkräfte, dass kaum oder keine Reinigungsmittel und dafür notwendige Handschuhe und Desinfektionsmittel zur Verfügung gestellt werden. Eine einfache und effektive Möglichkeit, wie sie auch in Supermärkten und Arztpraxen eingesetzt wird, ist das Aufstellen von Plexiglasscheiben. 78 Prozent der Lehrkräfte berichten aber, dass es das nicht gibt. Zudem sagt jede dritte Lehrkraft, dass die Lehrerinnen und Lehrer selbst Räume putzen, um den höheren Rhythmus bei der Reinigung zu gewährleisten. Damit verprellen die Kultusministerien die Lehrkräfte noch zusätzlich: Anstatt ein angemessenes Arbeitsumfeld mit ausreichend Zeit für Bildung und Erziehung zu schaffen, bekommen Lehrkräfte den Putzeimer in die Hand gedrückt.“ (Weitere Ergebnisse der Umfrage gibt es unter www.vbe.de.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Realschullehrerverbandes (VDR) und dbb Vize Jürgen Böhm mahnte: „Solange Abstandsregeln im öffentlichen Raum eingehalten werden müssen und Gefahren existent sind, kann man auch nach den Sommerferien nicht zum normalen Unterrichtsbetrieb an den Schulen übergehen. Die permanente Uminterpretation und Veränderung der bestehenden Regeln hilft dabei niemandem.“ Die Pandemie sei noch längst nicht vorbei und könne jederzeit mit voller Wucht zurückkommen. Es könne daher kein einfaches Zurück zum ursprünglichen Normalzustand geben und jede Schule in Deutschland zu Beginn müsse auch des nächsten Schuljahres ein Notfallkonzept parat haben „Mit Beginn des neuen Schuljahres müssen in allen Bundesländern verbindliche Konzepte für Arbeit im Normal- (Plan A) und Notbetrieb (Plan B) vorliegen.“

Die Vorsitzenden des Bundesverbandes der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB), Eugen Straubinger und Joachim Maiß, zeigten sich aufgrund der geplanten zeitnahen Rückkehr zum „Normalbetrieb“ überrascht. „Die Schulen sind schlicht nicht Corona-sicher. Wenn wir Abstandsregeln und Maskenpflicht auch über den Herbst einhalten, wie von Virologen und Bundespolitik gefordert, ist ein 100-prozentiger Präsenzunterricht nicht möglich, weil schlicht die räumlichen und personellen Kapazitäten fehlen“, sagte Maiß. Straubinger ergänzte: „Infektionshotspots können jederzeit wieder erwachsen, das Erreichte zunichtemachen und neuerliche Schulschließungen nach sich ziehen. Die Hygienekonzepte der Länder sind nicht ausreichend, um bei 100-prozentigem Präsenzunterricht den Gesundheitsschutz für Lehrkräfte und Schülerinnen und Schüler verlässlich zu gewährleisten.“

 

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