dbb JahrestagungVortrag von Michel Friedman: „Wir müssen das Streiten wiederlernen“
Der Publizist Michel Friedman rief die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der dbb Jahrestagung 2026 in seinem Vortrag zum Schutz von Rechtsstaat und Demokratie auf.
„Ich hatte noch nie Angst vor der Vielfalt des Menschen, sondern vor seiner Einfalt", erklärte der Jurist, Publizist, Philosoph Michel Friedman in seinem Vortrag am zweiten Tag der dbb Jahrestagung 2026 am 13. Januar 2026 in Köln. „Wir waren bequem. Wir haben verlernt zu streiten. Der Streit ist der Sauerstoff der Demokratie.“ Er betonte auf Nachfrage, auch an die Menschen in der Verwaltung gerichtet: „Jeder kann zu jeder Zeit die Welt verändern. Sonst wären wir heute nicht dort, wo wir jetzt stehen.“
Er erinnerte daran, dass Corona von vielen als Kontrollverlust erlebt worden ist. „Die Menschen in diesem Schlaraffenland, dachten, ‚Wir behalten die Kontrolle‘, mit Ausnahme derjenigen, die selbst geflüchtet waren.“ Und er erinnerte an die Zusammenarbeit vieler Menschen überall, die es ermöglicht hat, diese Gefahr zu bannen. Nun herrsche Krieg, eine existentielle Bedrohung, die nun auch für alle wahrnehmbar sei. Gerade den Menschen im öffentlichen Dienst sei es übertragen, die Gesellschaft zu schützen und zu stärken.
Zudem warnte Friedman: „Die Übernahme des Zynismus à la Trump und die Aufgabe des Widerstandes gegen den Hass bedrohen die Demokratie: „Die schlechteste Demokratie ist mir lieber als die beste Diktatur.“ Daher wolle er „allen Nörglern“ sagen: „Sie können in diesem Land nörgeln, in Teheran oder Moskau können Sie das so nicht.“ Am meisten sei er betrübt über den fehlenden Einsatz der Demokratinnen und Demokraten. Er fragte: „Wo sind wir? Warum haben wir so eine Schüchternheit und eine Zurückhaltung?“




