Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL)

Deutschland braucht grundlegende Wende in der Verkehrspolitik

Die GDL tritt für eine grundlegende Wende der Verkehrspolitik ein. Das erklärte der GDL Bundesvorsitzende und dbb Vize Claus Weselsky am 13. Mai 2019 als Sachverständiger im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages.

Schaden durch den Verkehrsstau kann nur durch eine konsequente Verkehrsverlagerung auf die Schiene beseitigt werden. Das Gleiche gilt für die Umweltverschmutzung. Unsere Klimaschutzziele 2030 werden wir ohne den konsequenten Ausbau des Schienenverkehrs nicht erreichen“, so der GDL Chef. Laut Koalitionsvertrag sollen der Schienenverkehr zwar ausgebaut, die Fahrgastzahlen im Schienenverkehr bis 2030 verdoppelt und der Marktanteil des Schienengüterverkehrs erhöht werden. Die bisherigen Maßnahmen würden dazu aber nicht ausreichen. Weselsky: „Mit der Privatisierung 1994 sollte eine schlanke Börsenbahn entstehen. Deshalb haben die ‚Nichteisenbahner‘ der Deutschen Bahn (DB) gemeinsam mit den ‚McKinseys‘ jahrzehntelang gnadenlos den Rotstift angesetzt.“ So seien das Schienennetz um rund 7.000 auf 33.400 Kilometer geschrumpft und 1.500 Bahnhöfe geschlossen worden. Hinzu komme ein milliardenschwerer Sanierungsbedarf aufgrund maroder Brücken, Gleise und Züge.

Nun müssten milliardenschwere Investitionen in den Netzausbau erfolgen. „Das Schienennetz muss für den Güter- und den Personenverkehr konsequent nach einem kapazitätsorientierten ‚Deutschlandtakt‘ ausgebaut werden. Es ist witzlos, mit 300 Stundenkilometern über die Gleise zu sausen und dann eine Stunde auf den Anschlusszug zu warten. Der Fahrgast will bei jedem Wetter sicher und pünktlich ans Ziel. Mit der nach einem Taktfahrplan ausgebauten Infrastruktur klappt das in der Schweiz schon lange“, mahnte Weselsky. Damit das auch in Deutschland funktioniere, verlange die GDL eine Bahnreform II: Dazu müssten zunächst DB Netz, DB Energie und DB Station & Service zu einer gemeinnützigen Gesellschaft zusammengefasst werden. „Dann braucht es Eisenbahner, die das komplexe Eisenbahnsystem wirklich durchdringen, damit der ‚Deutschlandtakt‘ mit gewaltigen Investitionen in der Fläche umgesetzt werden kann.“

Auch bei den Fachkräften gebe es einen erheblichen Mangel: Bei der DB wurde das Personal seit 1994 in Deutschland auf 200.000 fast halbiert. Heute fehlen so allein 1.200 Lokomotivführer – die 11.000, die in den kommenden zehn Jahren in Ruhestand gehen, noch nicht eingerechnet. Die GDL fordere deshalb, dass konsequent qualifiziertes Personal eingestellt wird. Sie unterstütze die Bahnen auch dabei mit wegweisenden Tarifabschlüssen. „Nur wenn die Entgelt- und Arbeitsbedingungen stimmen, ist das Personalproblem zu lösen“, erklärte Weselsky. Außerdem müsse die Behauptung: „Die Züge fahren autonom“ revidiert werden. „Wir brauchen zwar Digitalisierung zur Unterstützung der Lokomotivführer. Man muss sich aber einmal überlegen, wie viele Milliarden notwendig sind, um den einen Lokomotivführer wegzurationalisieren, der viele hundert Fahrgäste oder tausende Tonnen Güter transportiert. Experten wissen auch, dass autonomes Fahren auf dem offenen Schienennetz mit Nah-, Fern-, Güterverkehr und S-Bahn noch lange nicht machbar ist. Die These verhindert jedoch, dass junge Menschen Lokomotivführer werden wollen.“

Zusammenfassend stellte der GDL Bundesvorsitzende klar: „Jetzt müssen die Weichen für eine Verkehrswende richtiggestellt werden: Zum einen benötigen wir weniger Berater, dafür aber mehr Eisenbahnsachverstand im Unternehmen. Zum anderen muss der Eigentümer Bund klare Zielvorgaben an das Management des Konzerns stellen und de facto eine Verkehrsverlagerung auf die Bahn betreiben, nicht nur in Sonntagsreden.“

 

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