• Michael Gadzalla

Beschäftigungsgipfel in Mailand

dbb jugend: Jugendarbeitslosigkeit in der EU endlich effektiv bekämpfen

Fünf Millionen Jugendliche in der EU sind arbeitslos. Vor diesem Hintergrund begrüßt die dbb jugend, dass die EU-Staats- und Regierungschefs am 8. Oktober 2014 auf einem Beschäftigungsgipfel in Mailand diskutierten, wie die Jugendarbeitslosigkeit effektiver bekämpft werden kann. Nach dem Willen Deutschlands soll eine schnellere Vergabe bestehender Milliarden-Hilfen für Maßnahmen gegen die hohe Jugendarbeitslosigkeit ermöglicht werden.

„Damit die Mittel zeitnah in Anspruch genommen werden können, ist eine Vereinfachung der administrativen Anforderungen an die Mittelverwendung unabdingbar“, sagte der stellvertretende Bundesjugendleiter Michael Gadzalla. Die Ergebnisse des Gipfels blieben hier zu vage. Die dbb jugend fordere eine Überprüfung, ob die von der EU bereitgestellten Mittel tatsächlich über ein aufwendiges Verfahren vom Europäischen Sozialfonds zur Verfügung gestellt werden müssen, bei dem die Mitgliedsländer erst komplexe operative Programme zur Genehmigung vorlegen müssen. „Ziel muss es sein, dass die EU-Kommission diese Mittel künftig zügiger bewilligen kann“, forderte Gadzalla. Insgesamt hätten 20 Staaten konkrete Programme eingereicht, von der Kommission bewilligt seien laut Aussage der Bundesregierung jedoch nur Gelder für Frankreich, Italien und Litauen. „Der bessere Weg zur Umsetzung der Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit in der EU wäre die Einrichtung eines eigenen Notlagenfonds, mit dem zügig und unbürokratisch auf soziale Notlagen reagiert werden kann“, ergänzte Steven Werner, Sprecher der AG Jugend in Europa der dbb jugend. Die Ausgestaltung und Organisation eines solchen Fonds sollte in Zusammenarbeit mit den Sozialpartnern entwickelt werden.

Dauerhafte Einführung der Jugendgarantie

Die EU sollte auch die dauerhafte Implementierung der Jugendgarantie beschließen, lautet eine weitere Forderung der dbb jugend: „Wird die Umsetzung der Maßnahmen erleichtert, werden auch höhere Summen erforderlich“, so Gadzalla. Demnach würde die dauerhafte und systematische Einführung entsprechender Systeme laut ILO (International Labour Organization) mit 21 Milliarden Euro zu Buche schlagen. „Gut investiertes Geld, denn einem Eurofund-Bericht zufolge würden ein passives Abwarten die Sozialsysteme in der EU mit jährlich 153 Milliarden Euro belasten.“ Zudem sind aus Sicht der dbb jugend weitere strukturelle Veränderungen erforderlich.

„Jugendarbeitslosigkeit endet nicht mit Vollendung des 25. Lebensjahres“, betonte Gadzalla, weswegen man für eine Heraufsetzung der Altersgrenze im Rahmen der Jugendgarantie auf das 30. Lebensjahr sei. „Notwendig ist auch, einer schleichenden Akademisierung des Arbeitsmarkes entgegenzutreten. Der europäische Arbeitsmarkt muss Stellen für alle Bildungshintergründe bieten. Jugendliche mit geringerem Bildungskapital dürfen nicht aus dem Fokus verloren werden, und Praktika sind gerade keine nachhaltige Beschäftigung“, stellte Gadzalla klar: „Nachhaltig ist eine dauerhafte und qualitative Integration in den ersten Arbeitsmarkt. Nur so können jungen Menschen in Europa Perspektiven geboten werden.“

 

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