dbb LehrkräfteverbändeChancenmonitor 2026 bestätigt Chancen Gap – Warnung vor Benachteiligung
Der aktuelle Chancenmonitor 2026 des ifo Instituts und „Ein Herz für Kinder“ zeigt alarmierende Bildungsunterschiede nach sozialer Herkunft auf.
„Die Ergebnisse machen deutlich, dass Bildungserfolg in Deutschland noch immer zu stark von der Herkunft abhängt und beständiges politisches Handeln dringend notwendig ist. Das ist aber keine neue Erkenntnis, sondern bestätigt, dass es in Deutschland weiterhin nicht gelingt, diese Abhängigkeit abzumildern“, bewertete Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), die Ergebnisse.
Jede Schule brauche deshalb eine bedarfsgerechte Finanzierung, die unter anderem berücksichtigen muss, wie viele der Kinder staatliche Hilfsleistungen empfangen. Zudem sei es zentral, dass an Schulen möglichst viele Professionen gemeinsam dafür arbeiten, den individuellen Bildungsweg der Schülerinnen und Schüler zu begleiten: „Das multiprofessionelle Zusammenarbeiten sichert die optimale Unterstützung von Stärken sowie das frühzeitige Erkennen von Defiziten und die dann notwendige Umsetzung von Maßnahmen, um das Lernen und Zusammenleben bestmöglich gestalten zu können“, erläutert Neckov. Zudem müsse Förderung früh beginnen.
Die Wahrscheinlichkeit, ein Gymnasium zu besuchen, liege laut Chancenmonitor für Kinder mit bildungsfernen, einkommensschwachen Eltern bei 16,9 Prozent, wogegen sie bei Kindern mit einkommensstarken Eltern mit Abitur bei bis zu 80,3 Prozent liege. Darüber hinaus liege die Wahrscheinlichkeit des Gymnasialbesuchs bei Jungen mit 36,9 Prozent niedriger als bei Mädchen mit 43,5 Prozent. Der Deutsche Philologenverband (DPhV) sieht deutlichen politischen Handlungsbedarf für eine verbindliche Übergangsempfehlung von der Grundschule auf die weiterführenden Schularten, um endlich leistungsstarken Kindern unabhängig vom sozioökonomischen Status den Übergang auf das Gymnasium leistungsgerechter zu ermöglichen.
Ohne verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen bleiben Kinder mit niedrigem sozioökonomischem Hintergrund benachteiligt – selbst bei gleichen Leistungen und Noten. „Ist der Elternwille für den Übergang allein entscheidend, profitieren erfahrungsgemäß eher ressourcenstarke Familien. Ziel muss es jedoch sein, für jedes Kind die passgenaue Schulart zu finden, die zur Begabung und individuellen Lernentwicklung passt – um Überforderung und Unterforderung zu vermeiden. Es braucht also eine verbindliche Übergangsempfehlung für die weiterführenden Schulen, die den Elternwillen und zugleich die Leistungsfähigkeit der Schülerinnen und Schüler berücksichtigt“, betonte die DPhV-Bundesvorsitzende Susanne Lin-Klitzing.


