Agile Ausbildung und Qualifizierung

Eine wachsende Vielfalt unter den Beschäftigten und die zunehmende Flexibilität der Arbeitsformen werden die prägenden Parameter des öffentlichen Dienstes der Zukunft sein. Um die positiven Potenziale dieser Entwicklung ausschöpfen zu können, müssen bereits in der Ausbildung Gestalt und Bedeutung von Agilitäts-Aspekten und -Instrumenten eine Rolle spielen und dürfen auch bei Fort- und Weiterbildung nicht vernachlässigt werden. Zudem müssen Ausbildung und Qualifikation selbst agil gestaltet werden und in Bewegung bleiben.

 

Die klassische statische und ortsgebundene Ausbildung muss ebenfalls an den digitalen Wandel angekoppelt werden. Es muss moderne Qualifizierungs- und Weiterbildungsmodule geben, die es den Beschäftigten ermöglichen, sich parallel zu ihren beruflichen Tätigkeiten fort- bzw. weiterzubilden. Die Aufstiegsmöglichkeiten in eine höhere Laufbahn für Beamtinnen und Beamte müssen dezentral organisiert und digitale unterstützt werden. Vor allem Beschäftigte in der Fa-milienphase werden hiervon profitieren.

 

Da es sich beim Wandel des Arbeitens vom linearen und prozesshaften hin zu einem eher vernetzten Vorgehen durchaus um einen Paradigmenwechsel in der Gestaltung des Verwaltungs- und Behördenhandelns handelt, müssen Ausbildung und Qualifikation zunächst selbst einen solchen Paradigmenwechsel vollziehen und Lehr- und Fortbildungspläne entsprechend modifizieren. Welche sind die Schlüsselqualifikationen für agiles Arbeiten? Wann und wie werden sie vermittelt? Wer benötigt welches Agilitäts-Know-how? Diese und ähnliche Fragen gilt es zu stellen und zu beantworten. Bereits heute zeichnen sich zwingende Grundzüge der agilen Ausbildung und Qualifizierung (Fort- und Weiterbildung) ab.

 

Diversity-Dimensionen und das Instrumentarium für die Entdeckung und Förderung vielfältiger Talente müssen verstärkt Ausbildungs- und Qualifikationsbestandteile werden. Werte wie Offenheit, Veränderungsbereitschaft und Respekt für Andere und Anderes müssen bereits in der Ausbildung und immer wieder auch in der Qualifizierung Gegenstand sein, ebenso wie die Diskussion einer funktionsverträglichen Fehlerkultur. Agile Arbeitstechniken und Methoden wie beispielsweise selbständiges Teamwork oder Design-Thinking müssen vermittelt und praktisch eingeübt werden: Gefragt sind in Zukunft eher Generalisten denn Spezialisten, vernetzt und kritisch Denkende, Innovative, Kommunikative und Kooperative. Fachwissen und Silodenken werden um interdisziplinäre Interessen, Kenntnissen und Querschnittskompetenzen bereichert. Differenzierte Wertschätzung, Anerkennung und Motivation sind die Motoren des agilen Arbeitens. Deswegen müssen insbesondere Führungskräfte in Aus-, Fort- und Weiterbildung befähigt werden, ihren Kolleginnen und Kollegen entsprechend zu begegnen und sie zu beurteilen, ohne dabei das Leistungsprinzip des öffentlichen Dienstes grundsätzlich in Frage zu stellen. Dies gilt selbstverständlich sowohl für das direkte Führen als auch für das Führen auf Distanz, das mit Zunahme der Möglichkeiten für mobiles Arbeiten häufiger zur Regel werden wird.  Auch müssen Ausbildung und Qualifizierung selbst agil sein: Sie müssen divers sein, sie müssen flexibel wie mobil und in einem stetigen Kreislauf der Optimierung operieren, der Planung, Entwicklung und Qualitätskontrolle fortwährend sicherstellt. Werden Anpassungen aufgrund aktueller Entwicklungen erforderlich, sind diese zeit- und praxisnah umzusetzen.

Interessenvertretungen und Arbeitgeber werden in Zukunft folgende Punkte miteinander klären müssen

  • Themen und Inhalte von Ausbildung und Qualifikation im öffentlichen Dienst müssen neu definiert werden. Es geht um mehr als neue Technik: Es geht um eine neue Lehre und um eine neue Lernkultur. Das muss zwingend auch Konsequenzen für die Ausbildungsordnungen des öffentlichen Dienstes haben.
  • Ausbildung und Qualifikation im öffentlichen Dienst müssen auch mit Blick auf neue digitale didaktische Formate neugestaltet werden.
  • Die Fachhochschulen des Bundes und der Länder müssen ihre Ausbildungs- und Qualifizierungsleistungen mit Blick auf das künftig agilere Personal des Staates neu ausrichten.
  • Es sind deutlich mehr Anstrengungen erforderlich, um qualifiziertes Lehrpersonal zu gewinnen und gute, tragfähige didaktische Konzepte zu erarbeiten, die möglichst bundesweite Mindeststandards an agiler Aus-, Fort- und Weiterbildung im öffentlichen Dienst sicherstellen.

Ansatzpunkte für Betriebs-/Personalrat

  • Intensiver Austausch mit Arbeitgeber/Dienstherr über die konkreten Ausbildungs- und Qualifikationsbedarfe
  • Evtl. Abschluss von verbindlichen Betriebs-/Dienstvereinbarungen über Ausbildungs-/Qualifikationsinhalte und -gestaltung, im Idealfall mit der Zusicherung von festen Zeitrahmen und -budgets für Fort- und Weiterbildung Vereinbarung konkreter finanzieller und personeller Ressourcen für Aus-, Fort- und Weiterbildung

„Aufbruch – Der öffentliche Dienst der Zukunft“ (PDF)

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