dbb magazin 10/2026

BLICKPUNKT Topsharing Ohne das richtige Match geht es nicht Beim Topsharing teilen sich Beschäftigte eine Führungsposition. Nina Gertz und Christina Nickel leiten den Eigenbetrieb Wasser und Abwasser Wuppertal und zeigen, wie es funktioniert. Aktuell kann sich Christina Nickel nicht vorstellen, in Vollzeit zu arbeiten. „Ich habe einen siebenjährigen Sohn, für den möchte ich da sein“, sagt sie. „Ohne Topsharing wäre es schwierig, Job und Familie unter einen Hut zu bringen.“ Die Söhne von Nina Gertz sind bereits erwachsen, doch auch sie möchte nicht in Vollzeit arbeiten. „Meine Eltern brauchen Unterstützung, da bin ich sehr eingespannt“, erzählt die 55-Jährige. „Ich bin froh, dass ich trotzdem einen spannenden Beruf ausüben kann.“ Familiäre Verpflichtungen und Führungspositionen müssen sich nicht ausschließen: Bei der Stadt Wuppertal arbeiten aktuell acht amtierende Tandempaare, die sich eine Führungsposition teilen, darunter Nickel und Gertz. Gemeinsam leiten sie den Eigenbetrieb Wasser und Abwasser Wuppertal (WAW). Im Kern sorgen die beiden Frauen dafür, dass die Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung in der Stadt mit der Schwebebahn funktionieren. Die Stadtwerke erledigen die praktischen Aufgaben, der WAW kümmert sich ums Controlling. Wie viel Trinkwasser ist erforderlich? Wie viel Schmutzwasser fällt voraussichtlich an? Und wie hoch müssen die Trink- und Schmutzwassergebühren ausfallen, um kostendeckend zu arbeiten? Das sind zentrale Fragen, mit denen sich die Betriebsleiterinnen beschäftigen. Federführend sei der WAW auch beim Aufbau eines Netzes mit Trinkwasserbrunnen im öffentlichen Raum, ergänzt Gertz. „Also überall dort, wo im Sommer Hitzeinseln entstehen und sich viele Menschen aufhalten, zum Beispiel in der Fußgängerzone oder auf Spielplätzen.“ Was ist Topsharing? Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen, Haushalt – in Deutschland sind es vorwiegend Frauen, die sich um Care-Arbeit kümmern. 2025 lag der Gender-Care-Gap bei 43,4 Prozent, schreibt das Bundesfamilienministerium. Heißt: Frauen leisten pro Tag durchschnittlich 43,4 Prozent mehr Care-Arbeit als Männer. Umgerechnet entspricht das 76 Minuten. Das bleibt nicht folgenlos. Frauen arbeiten häufiger in Teilzeit; allein im öffentlichen Dienst sind mehr als 83 Prozent der Teilzeitbeschäftigten Frauen, wie aus dem aktuellen dbb Monitor öffentlicher Dienst hervorgeht. Für die Betroffenen ist es schwieriger, Vermögenswerte und eine ausreichende Alterssicherung aufzubauen. Und oft ist Teilzeit ein Hindernis, wenn es darum geht, Führungsverantwortung zu übernehmen. Viele Frauen stehen vor der Frage: Kind oder Karriere? Topsharing kann diesen Widerspruch auflösen. Es handelt sich um ein Arbeitsmodell, bei dem sich zwei Führungskräfte eine Position teilen. So bekommen auch Teilzeitbeschäftigte die Möglichkeit, Verantwortung zu übernehmen und Karriere zu machen. Christina Nickel ist stellvertretende Betriebsleiterin des WAW, als sie 2018 schwanger wird. Schon damals deutet der damalige Betriebsleiter an, dass er seine Position perspektivisch abgeben möchte. „Wir haben gemeinsam überlegt, wie es nach meiner Babypause weitergehen soll“, erinnert sich die heute 40-Jährige. „Für mich war klar, dass ich gerne weiterhin Verantwortung tragen möchte.“ Zu diesem Zeitpunkt arbeitet Nina Gertz noch im Rechtsamt der Stadt Wuppertal – in Teilzeit, um für ihre Söhne da zu sein. „Christina hat mich gefragt, ob ich ihre Elternzeitvertretung übernehme“, erzählt Gertz. „Ich fand die Position spannend und habe zugesagt.“ Die Dinge kommen ins Rollen. Nach Nickels Rückkehr wollen sich die beiden Frauen die Betriebsleitung teilen. Sie tauschen sich mit zwei Kolleginnen aus, die bei der Stadt Augsburg beschäftigt sind und bereits Erfahrungen mit dem Topsharing gesammelt haben. Den Kontakt hat die Personalabteilung hergestellt. „Der Austausch war für uns extrem wertvoll“, resümiert Nickel. „Wir haben viele wertvolle Tipps für die Praxis bekommen.“ Geteilte Verantwortung … Unter anderem betonten die Augsburgerinnen, wie wichtig eine einheitliche Linie sei. Es bestehe die Gefahr, dass sich die Beschäf­ © majonit - stock.adobe.com 28 FOKUS dbb magazin | Oktober 2026

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