tigten immer an die Führungskraft wenden, von der sie sich eher eine Antwort erhoffen, die den eigenen Vorstellungen und Wünschen entspricht. Gertz: „Das muss gar nicht böse gemeint sein, irgendwie ist es auch menschlich. Aber wir haben vor dem Hintergrund beschlossen, die Personalverantwortung aufzuteilen, sodass die Situation gar nicht erst entstehen kann.“ Wer für wen der insgesamt acht Beschäftigten im Team zuständig ist, das gehört entsprechend zu den Dingen, die Nickel und Gertz in ihr Konzept schreiben, das sie mit der Personalabteilung abstimmen. Außerdem legen sie die fachlichen Zuständigkeiten fest: Nickel übernimmt die Finanzverwaltung und alles, was mit Ab- und Schmutzwasser zu tun hat; Gertz kümmert sich federführend um das Trinkwasser. Wichtig ist den beiden: „Beim Topsharing geht es nicht darum, eine Position doppelt zu besetzen. Das wäre teuer und ineffizient. Jeder hat seinen eigenen Aufgabenbereich.“ Nicht zuletzt teilen die Betriebsleiterinnen die verfügbaren 1,5 Stellenäquivalente unter sich auf. Maßgeblich ist, wie lange die zu erledigenden Aufgaben dauern – und natürlich, wer wie viele Stunden pro Woche arbeiten möchte. „Wir haben ein paar Stunden als Puffer gelassen“, berichtet Gertz. „So konnte ich meine Wochenarbeitszeit nachträglich erhöhen. Je älter die Kinder, desto mehr Kapazitäten bleiben für den Job.“ Alles steht und fällt mit dem passenden Tandem: Ohne das richtige Match geht es nicht – da sind sich die beiden Wuppertalerinnen einig. „Die Wellenlänge muss stimmen, man sollte ein ähnliches Führungsverständnis haben und sich sympathisch sein“, sagt Gertz. Nickel ergänzt: „Konkurrenzdenken, etwas für sich allein an Land ziehen wollen oder Ellenbogenmentalität gehen auf gar keinen Fall. Man muss an einem Strang ziehen, Loyalität ist wichtig.“ Entscheidend ist auch gute Kommunikation, insbesondere die Fähigkeit, sich abzustimmen – zum einen persönlich: Jeden Donnerstag sind die Betriebsleiterinnen im Büro, das ist fest vereinbart. Und zum anderen digital: Dazu gehört, sich bei E-Mails lieber einmal zu viel als zu wenig in CC zu setzen, damit die jeweils andere Person im Bilde ist. Gertz unterstreicht nicht zuletzt die Bedeutung eines transparenten Umgangs. „Wir haben einander versprochen, dass wir die andere umgehend informieren, wenn jemand von uns mit einer anderen Stelle liebäugeln sollte“, sagt sie. Dasselbe gilt, wenn der Wunsch besteht, wieder in Vollzeit zu arbeiten. Worauf es aus Sicht der Arbeitgeberin, der Stadt Wuppertal, ankommt? „Eine gute Begleitung der amtierenden Tandems ist unerlässlich“, erklärt ein Sprecher auf Anfrage. Die Personalabteilung biete entsprechende Beratungen an – im Übrigen auch für alle, die überlegen, das Topsharing in Anspruch zu nehmen. Zentral ist, dass die Tandempaare wesentliche Absprachen in einer Absichtserklärung festhalten, so der Sprecher weiter. Dazu gehören die Personalverantwortung, die Wochenarbeitszeit und die Aufgabenaufteilung. Natürlich handele es sich dabei um einen „fortlaufenden Prozess“. Anpassungen sind jederzeit möglich, sofern neue Absprachen erforderlich sind. … ohne Karriereknick Eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, weniger Benachteiligung bei Karrierechancen für alle, die lediglich in Teilzeit arbeiten wollen oder können – dies sind die zentralen Vorteile. Nina Gertz schätzt es darüber hinaus sehr, eine Vertraute in derselben Position an ihrer Seite zu haben, mit der sie sich austauschen kann. „Das ist sehr hilfreich, wenn schwierige Entscheidungen anstehen.“ Für Christina Nickel ist die unkomplizierte Vertretung ein großes Plus, etwa bei Urlaub, Krankheit oder familiären Verpflichtungen: „Klar, wir haben verschiedene Aufgabenbereiche, sind aber immer im Bilde. Es ist gut zu wissen, dass Nina immer einspringen und ich darauf vertrauen kann, dass nichts anbrennt.“ Auch die dbb jugend schätzt Topsharing als ein geeignetes Instrument, um die Geschlechtergerechtigkeit zu fördern und die Attraktivität des öffentlichen Dienstes als Arbeitgeber zu stärken. Städte und Kommunen sehen sich aktuell mit Fachkräftemangel konfrontiert, auch auf den Führungsebenen – an allen Ecken und Enden fehlt Personal. Bundesweit wären in den Kommunalverwaltungen mehr als 112 000 weitere Beschäftigte erforderlich, um allen Aufgaben gerecht zu werden, wie aus der aktuellen Personalerhebung des dbb hervorgeht. Die Lage wird sich in den kommenden Jahren weiter zuspitzen, weil zahlreiche Beschäftigte altersbedingt in den Ruhestand gehen. Die Stadt Wuppertal sieht – auch vor diesem Hintergrund – im Topsharing einen Innovationsbooster, der Mehrwerte für Arbeitgebende und Führungskräfte bietet. Das Thema „Frauen in Führung“ habe die Verwaltung bereits im Konzept „Potenziale von Frauen als Chance im demografischen Wandel“ verankert und entwickle es fortlaufend weiter, schreibt die Pressestelle auf Anfrage von #staatklar. Genutzt werde Topsharing auch, um die Nachfolgeplanung zu erleichtern. Ältere Kolleg*innen bilden mit jüngeren ein altersdiverses Tandem, was die Einarbeitung und die Weitergabe von Fachwissen erleichtert. Übrigens: In Wuppertal nutzen auch mehrere Männer das Topsharing. „Das ist auch ausdrücklich gewünscht“, so der Sprecher. cdi Nina Gertz und Christina Nickel (rechts) teilen sich eine Führungsposition. © Stadt Wuppertal FOKUS 29 dbb magazin | Oktober 2026
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