erhalten bleiben. Damit soll der bisherige Flickenteppich aus lokal genutzten Programmen, Servern und Anbietern endlich verschwinden. Danneberg sieht in den neuen Technologien eine große Chance: „Der heutige Zustand kostet Bürgerinnen, Bürger und Verwaltung enorm viel Zeit. Langfristig können gemeinsame Plattformen, das Once-OnlyPrinzip und automatisierte Verfahren genau solche Aufwände drastisch reduzieren und gleichzeitig Beschäftigte von Routinetätigkeiten entlasten.“ Er gibt aber zu bedenken, dass diese Transformation kurzfristig natürlich Aufwand bedeutet: IT-Systeme müssen integriert, Prozesse angepasst und Beschäftigte qualifiziert werden. Für Außenstehende ist die Grenze zwischen Cloud und Stack hingegen nicht immer klar. Denn auch über die DVC sollen Behörden auf Anwendungen zugreifen können. Mögliche Anwendungsfelder sind zum Beispiel eine schnellere Dokumentverarbeitung. Auch KI-Anwendungen sollen verfügbar sein. Reife Cyberfrüchte aus regionalem Anbau Eine Besonderheit der DVC: Die einzelnen Programme werden mit Reifegraden versehen. Nutzerinnen und Nutzer können dadurch sehen, wie ausgereift ein Programm etwa bei Bestellprozess, Servicezeiten oder Barrierefreiheit ist. Außerdem können sie Programme besser miteinander vergleichen. Entwickelt wird die DVC von der Föderalen IT-Kooperation (FITKO) und der Genossenschaft govdigital unter der Leitung des IT-Planungsrates – genauso wie der Marktplatz Deutschland Digital. Von der Software bis zum Serverstandort soll möglichst viel „Made in Germany“ sein. Das soll die digitale Souveränität stärken. Für die Server ist unter anderem die Dataport AöR verantwortlich. Der Marktplatz Deutschland Digital (MDD) ist die zentrale Plattform, auf der Behörden Software rechtssicher beschaffen und Dienstleister ihre Produkte zur Verfügung stellen können. Er ist auch der einzige Weg, an die etwa 70 Dienstleistungen aus der DVC zu kommen. Der Marktplatz ist jedoch kein „App-Store“, wie man ihn vom Smartphone kennt. Stattdessen werden Anwendungen über den entsprechenden Anbieter bereitgestellt. Dort finden sich Cloud-Dienste wie beispielsweise die Acco-Cloud des Landratsamts Traunstein. Mit dieser Cloud lassen sich Belegung und Personalplanung von Flüchtlingsunterkünften steuern. Dazu gehören automatisierte Belegungsvorschläge und Auswertungen der Haushaltskosten. Mit Stand September 2026 ist der MDD ausschließlich für DVC-Dienstleistungen gedacht. Andere Leistungen müssen über den „Marktplatz für EfA-Leistungen“ oder den „Marktplatz der KI-Möglichkeiten“ beschafft werden. Diese beiden Seiten sollen später in den MDD eingebunden werden. Feuerwerk, Erdbeben und kleine Fische „EfA“ steht dabei für „Einer für Alle“. Dahinter verbirgt sich die Idee, dass ein Bundesland oder mehrere Länder gemeinsam eine Verwaltungssoftware entwickeln. Behörden in anderen Bundesländern oder Kommunen können diese nutzen, ohne ihre eigene Software verwenden zu müssen. Eine der aktuell 139 verfügbaren Dienstleistungen ermöglicht es zum Beispiel, legale Großfeuerwerke digital anzumelden. Entwickelt wurde sie von der Freien und Hansestadt Hamburg. Auf dem Marktplatz der KI-Möglichkeiten (MaKI) können Verwaltungen bestehende und geplante KI-Systeme recherchieren, eigene Systeme registrieren, Bedarfe sichtbar machen und Kooperationen anbahnen. Zugleich dient die Plattform als zentrales Transparenzregister für den KI-Einsatz in der deutschen Verwaltung. Stand September 2026 stehen auf dem MaKI über 400 KISysteme sowie fast 300 gewünschte Kooperationen zur Verfügung. Thematisch liegt der Fokus der angebotenen KI-Systeme derzeit vorwiegend auf Forschung, Energie und Umwelt. Dazu muss man wissen: Auf dem Marktplatz ist das Umweltbundesamt am aktivsten. Danach folgen weitere Bundesämter und Bundesanstalten aus dem Umwelt- und dem Verkehrsministerium. Die Anwendungen gehen von der Echtzeitauswertung von Seismogrammen bis zur Erkennung von Verhaltensanomalien bei Aquarienfischen. Wie Stack, Cloud und Marktplatz interagieren Der Deutschland-Stack gibt die Standards für Programme und Basiskomponenten vor. Die Deutsche Verwaltungscloud ist eine Sammlung von Cloud-Anwendungen, die diesen Vorgaben entsprechen. Zugriff auf diese Anwendungen erhält man über den MDD. KI- und EfA-Anwendungen können bisher nur über eigene Marktplätze beschafft werden. Künftig soll aber alles über den MDD laufen. Zusätzlich können über den Marktplatz Anwendungen erworben werden, die keine Cloud-Anwendungen sind. „Deutschland-Stack, Deutsche Verwaltungscloud und die Marktplatz-Aktivitäten des BMDS und der FITKO adressieren eines der größten Probleme der Verwaltungsdigitalisierung: zu viele Insellösungen, unterschiedliche Standards und Doppelentwicklungen in Bund, Ländern und Kommunen“, erklärt Danneberg. Der öffentliche Dienst sei bei dieser Transformation nicht nur Anwender, sondern einer der wichtigsten Mitgestalter: „Die Beschäftigten wissen am besten, wo Prozesse unnötig kompliziert sind, welche Medienbrüche im Alltag auftreten und an welchen Stellen digitale Lösungen tatsächlich Entlastung schaffen können. Sie sollten deshalb systematisch in Entwicklung, Pilotierung und kontinuierliche Verbesserung von DeutschlandStack, Cloud-Angeboten und digitalen Verwaltungsleistungen eingebunden werden.“ dsc © taka - stock.adobe.com FOKUS 27 dbb magazin | Oktober 2026
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