ONLINE Verwaltung der Zukunft Neuer Schub für die Digitalisierung Laut Koalitionsvertrag will die schwarz-rote Regierungskoalition der Verwaltungsdigitalisierung zusätzliche Impulse geben. Zentral sind dafür der Deutschland-Stack, die Deutsche Verwaltungscloud und der Marktplatz Deutschland Digital. Was steckt hinter diesen Projekten und wie sollen sie zusammenwirken? Die Basis der neuen Digitalisierungsinfrastruktur bildet der sogenannte Deutschland-Stack (D-Stack). Ein „Stack“ bezeichnet in der Entwicklersprache einen „Stapel“ aus verschiedenen Softwares. Der Deutschland-Stack legt fest, wie Datenaustausch, Identitätsnachweis, die Kommunikation zwischen einzelnen Komponenten und der Zahlungsverkehr funktionieren sollen. Für Lösungen und Komponenten des Deutschland-Stacks sollen gemeinsame Standards gelten. Ein Teil davon wird verbindlich vorgegeben, anderes bleibt freiwillig. Inhaltlich umfasst der Stack unter anderem Programmiersprachen, Datenbanken, Daten-Management-Systeme, Schnittstellen, Sicherheitsprotokolle und KI-Programme. Beispielsweise soll die BundID zukünftig im D-Stack enthalten sein. Für Aufbau und Koordination ist das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) zuständig. Bei der Auswahl gelten drei Grundprinzipien: Open-Source-Programme, um Transparenz und Nachnutzbarkeit zu gewährleisten, Interoperabilität und europäische Souveränität. Wie stabil ist das digitale Fundament? Europäische Souveränität ist besonders wichtig, weil der D-Stack das Fundament für alle weiteren Anwendungen legt. Eine Abhängigkeit von anderen Ländern oder Konzernen, die ihre Marktmacht im Zweifel gegen Deutschland einsetzen können, wäre gerade auf der unteren Ebene des Stacks gefährlich. Das digitale Fundament soll deshalb zu einem möglichst hohen Anteil aus deutschen und europäischen Bestandteilen bestehen. Der Deutschland-Stack soll außerdem Kompatibilitätsprobleme lösen, die Behörden schon lange plagen. Bisher haben sie verschiedene Programme genutzt, die untereinander oft keine Daten austauschen konnten. Weil der D-Stack die Schnittstellen vereinheitlicht, soll mit diesem Chaos künftig Schluss sein. Später soll der Stack auch europaweit anschlussfähig sein und EU-Standards berücksichtigen. Allerdings äußerte der Bundesrechnungshof bereits im Juli 2026 Zweifel, ob wichtige Komponenten wirklich mit dem DeutschlandStack kompatibel sind. Besonders ärgerlich ist, dass es diese Komponenten schon deutlich länger gibt als den Deutschland-Stack. Sie hätten beim Bau des Stacks deshalb eigentlich mitgedacht werden müssen. Aus Sicht von Marc Danneberg, Leiter Public Sector beim Digitalverband Bitkom e. V., ist der Deutschland-Stack aber insgesamt auf einem guten Weg. „Entscheidend ist deshalb jetzt der Schritt vom Aufbau in die breite Anwendung. Länder und Kommunen sollten sich verbindlich zur Nutzung gemeinsamer Komponenten verpflichten und diese konsequent in ihre Systeme integrieren“, so Danneberg gegenüber dem dbb magazin. Wolkig mit Aussicht auf Digitalisierung Anders als der Name vermuten lässt, ist die Deutsche Verwaltungscloud (DVC) kein einzelnes Cloud-Programm. Stattdessen bietet die DVC als sogenannte „Multicloud“ verschiedene CloudDienstleistungen für Behörden an. So können Behörden Lösungen auswählen, die zu ihren individuellen Anforderungen passen. Gleichzeitig soll die Kompatibilität zwischen den Anwendungen 26 FOKUS dbb magazin | Oktober 2026
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