dbb magazin 10/2026

NACHGEFRAGT Digitalisierung vor Ort Anwendungen für die Deutschland-App Dienstleistungen der Verwaltung künftig digital in Anspruch nehmen? Dortmund erprobt als eine von sechs Pilotkommunen, wie die Verwaltung der Zukunft aussehen könnte. Mülleimer, die ihre Füllmenge digital an die Stadtreinigung senden, sodass sich Leerungen effizient planen lassen. Straßenlaternen, die sich nur bei Bewegung einschalten und Energie sparen. Und Apps, die freie Parkplätze in Echtzeit anzeigen und so das lästige Suchen überflüssig machen. Das sind Beispiele für smarte Anwendungen in Städten: Mit dem Modellprojekt „Smart Cities“ fördert der Bund Kommunen, die solche Entwicklungen testen und voranbringen. Auch Dortmund erhält Geld aus dem Fördertopf. Investiert wurde es unter anderem in die sogenannte DortmundApp, die eine interaktive Kommunikation zwischen Bürgerinnen und Bürgern und der Verwaltung ermöglichen soll. Die App liefert Informationen über Apotheken-Notdienste, aktuelle Baustellen und Bürgerbefragungen. Außerdem gibt es lokale Nachrichten und Veranstaltungstipps. Nach Angaben der Stadt nutzen sie etwa 30000 Menschen. Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung (BMDS) will von den Erfahrungen der Stadt im östlichen Ruhrgebiet profitieren: Dortmund steuert als Pilotkommune Fachwissen für die Deutschland-App bei, die Dienstleistungen der Verwaltung bundesweit modernisieren, bündeln und digital abbilden soll. „Das Ministerium ist aktiv auf uns zugekommen und hat gefragt, ob wir mitmachen wollen“, sagt Christian Uhr, Stadtdirektor und Dezernent für Digitales, Personal und Verwaltungsmodernisierung. Das dbb magazin hat sich bei ihm über den Stand der Dinge erkundigt. Außer Dortmund sind auch Dresden, Erfurt, Hamburg, Nürnberg und Wiesbaden Pilotkommunen. Herr Uhr, wie genau muss man sich das Testdesign vorstellen? Getestet wird seit April, zuständig sind unsere Experten des Smart-City-Teams, die auch die Dortmund-App verantworten. Es geht darum, konkrete Anwendungsfälle aus der Praxis in die Entwicklung einzubringen. Jede Pilotkommune hat einen Anwendungsfall zugewiesen bekommen: Dortmund kümmert sich um Anträge auf Einmalleistungen auf Grundlage des Zwölften Sozialgesetzbuchs. Das sind unter anderem einmalige Bedarfe, die nicht von den Regelsätzen der Sozialhilfe abgedeckt sind. Andere Kommunen widmen sich anderen Anwendungsfällen, zum Beispiel Anträgen auf Wohngeld oder Kinderzuschlägen. Welche Rolle soll künstliche Intelligenz spielen – und worauf kommt es dabei an? Ich sehe in KI eine große Chance, Verwaltungsprozesse effizienter zu gestalten und die Menschen beim Zugang zu Verwaltungsdienstleistungen zu unterstützen. Transparenz, Qualität der Ergebnisse und Datenschutz gehören dabei in den Mittelpunkt. Denn wir dürfen nicht vergessen: Gearbeitet wird mit sensiblen Daten. Was bedeutet es aus Ihrer Sicht, Digitalisierung aus Sicht der Menschen zu denken? Digitalisierung muss möglichst intuitiv, verständlich und barrierearm gestaltet sein. Behördengänge sollen, wenn möglich, entfallen und Verwaltungsdienstleistungen sich bequem online erledigen lassen. Was wir um jeden Preis vermeiden sollten: überflüssige Bürokratie aus der analogen Welt einfach ins Digitale zu übertragen. Damit ist niemandem geholfen. Wir müssen schauen, dass wir Prozesse vereinfachen und Lösungen gemeinsam statt in Parallelstrukturen entwickeln. Wie holt man die ältere Generation, die weniger digitalaffin ist, ins Boot? Es wird immer Menschen geben, die andere Zugangswege zur Verwaltung suchen, persönlich oder telefonisch. Diese Wege werden auch weiterhin offenstehen. Für Seniorinnen und Senioren wollen wir geeignete Unterstützungsangebote machen. Entsprechende Angebote gibt es bereits an Volkshochschulen. Im Rahmen des Smart-City-Programms planen wir auch eine Kooperation mit Begegnungsstätten. Was ist Ihre Idealvorstellung von der Deutschland-App? Eine große Herausforderung besteht darin, die Zugänge mit unseren kommunalen Fachverfahren zu verknüpfen. Wenn das gelingt, ist viel gewonnen. Das übergeordnete Ziel muss natürlich ein einfacher und schneller Service sein, der sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert. cdi Christian Uhr ist Stadtdirektor und Dezernent für Digitales, Personal und Verwaltungsmodernisierung in Dortmund. © Stadt Dortmund/Roland Gorecki FOKUS 21 dbb magazin | Oktober 2026

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