Kommunale Selbstverwaltung Starke Stimmen für die Kommunen Städtetag, Landkreistag, Deutscher Städte- und Gemeindebund: Das unterscheidet die kommunalen Spitzenverbände und dafür sind sie zuständig. Um in Gesetzgebungsverfahren und politischen Debatten die eigenen Interessen zu vertreten und die kommunale Selbstverwaltung zu schützen, haben sich Kommunen und Kreise in drei Organisationen zusammengeschlossen: im Deutschen Städtetag (DST), im Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) und im Deutschen Landkreistag (DLT). Zusammen bilden sie die Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände. Der Deutsche Städtetag vertritt die Städte. Zu seinen Mitgliedern zählen alle kreisfreien Städte, aber auch zahlreiche kreisangehörige Städte sowie die drei Stadtstaaten Bremen, Hamburg und Berlin. Damit vertritt er die urbanen Zentren Deutschlands, aber nicht ausschließlich die Metropolen. Kreisfreie Städte übernehmen Aufgaben einer Gemeinde und eines Landkreises zugleich. Sie sind beispielsweise für Schulen, soziale Leistungen, Straßen, öffentlichen Nahverkehr, Kultur, Teile der Gesundheitsversorgung und viele Verwaltungsaufgaben zuständig. Ein entsprechend breites Themenspektrum vertritt der Städtetag gegenüber der Landes- und Bundespolitik: Wohnen, Mobilität, Digitalisierung, Klimaanpassung. Doch auch Migration, soziale Infrastruktur und – ganz entscheidend – die kommunalen Finanzen sind Teil seiner Agenda. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund bündelt die Interessen der kreisangehörigen Städte und Gemeinden. Er steht vor allem für die kleineren und mittleren Kommunen, die die zahlreichen Leistungen organisieren, die Bürgerinnen und Bürger täglich nutzen: Kindertagesstätten, Schulen, Sportanlagen, Feuerwehren, Bürgerservices, Bauleitplanung oder die Pflege des öffentlichen Raumes. Anders als kreisfreie Städte teilen sich diese Kommunen zahlreiche Zuständigkeiten mit ihrem Landkreis. Der DStGB bringt deren Anliegen primär über seine Landesverbände in bundespolitische Entscheidungen ein. Der Deutsche Landkreistag schließlich vertritt die Landkreise. Diese bilden in den Flächenländern den Connex zwischen Gemeinden und Ländern. Sie übernehmen Aufgaben, die für einzelne Gemeinden allein oft zu groß, zu komplex oder zu teuer wären. Dazu gehören unter anderem die Sozial- und Jugendhilfe, der öffentliche Personennahverkehr, der Rettungsdienst, die Abfallwirtschaft, Berufsschulen, Teile des Gesundheitsdienstes sowie die Verwaltung weiterführender Schulen. Gerade für ländliche und strukturschwache Räume sind die Landkreise deshalb von hoher Bedeutung: Sie koordinieren Leistungen über Gemeindegrenzen hinweg und tragen dazu bei, dass öffentliche Daseinsvorsorge auch außerhalb der großen Städte verlässlich gewährleistet bleibt. Die Abgrenzung DST für die Städte, DStGB für die kreisangehörigen Städte und Gemeinden sowie DLT für die Kreise verwischt im Alltag jedoch häufig. In der Realität überlappen sich ihre Zuständigkeiten. Eine Gemeinde braucht ihren Landkreis etwa bei Sozialleistungen oder beim ÖPNV; der Landkreis wiederum ist darauf angewiesen, dass Städte und Gemeinden ihre örtlichen Aufgaben leistungsfähig erfüllen. Kreisfreie Städte vereinen beide Ebenen in einer Verwaltung. Daraus ergeben sich zahlreiche gemeinsame Interessen: eine auskömmliche Finanzierung, ausreichend Personal, weniger Bürokratie, funktionierende digitale Verwaltungsangebote und neue gesetzliche Vorgaben, die auch für die Praxis taugen. Spannend wird es, wenn Bund oder Länder den Kommunen neue Aufgaben übertragen. Dem Konnexitätsprinzip zufolge soll eine Aufgabe grundsätzlich von dem bezahlt werden, der sie bestellt. In der Praxis jedoch sind Finanzierungsfragen regelmäßig heiß umstritten. Die kommunalen Spitzenverbände werden deshalb nicht müde, frühzeitig auf Folgen von Gesetzen aufmerksam zu machen, zusätzlichen Personal- und Finanzbedarf zu benennen und eine realistische Umsetzbarkeit einzufordern. Das betrifft etwa Sozialleistungen, Integrationsaufgaben, den Ausbau von Ganztagsangeboten, den Bevölkerungsschutz, die Digitalisierung der Verwaltung oder die Anpassung an Folgen des Klimawandels. In der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände koordinieren die drei Organisationen ihre Arbeit. Sie stimmen gemeinsame Stellungnahmen ab, führen Gespräche mit Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat und vertreten kommunale Anliegen auch auf europäischer Ebene. Dabei bleiben die unterschiedlichen Perspektiven sichtbar: Großstädte stehen häufig vor anderen Herausforderungen als kleine Gemeinden oder ländlich geprägte Kreise. Gerade diese Vielfalt macht die Zusammenarbeit wichtig. ada © Smileus - stock.adobe.com 20 FOKUS dbb magazin | Oktober 2026
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