dbb magazin 10/2026

15,5 Milliarden Euro oder 7,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Seit 2018 ist der nominale Investitionsrückstand bei den Kommunen um 67 Prozent angestiegen, real verbleibt ein Zuwachs um sieben Prozent. Die größten Rückstände bestehen weiterhin in der Schulinfrastruktur (68,9 Milliarden Euro) sowie bei den Straßen (53,7 Milliarden). Allerdings gab es hier zuletzt nur noch geringe Zuwächse. Auffällig hingegen ist der Anstieg der Rückstände, die die Kämmereien in den Bereichen Sportstätten (plus 6,0 Milliarden), Katastrophenschutz (plus 3,2 Milliarden) und Verwaltungsgebäude (plus 2,8 Milliarden) ausmachen. Besorgniserregend ist laut KfW, dass viele Kommunen sich nicht mehr in der Lage sehen, den laufenden Unterhalt ihrer Infrastruktur zu gewährleisten. Besonders gravierend ist das im Straßen- und Verkehrsbereich, wo 30 Prozent der Kommunen angeben, den Unterhalt gar nicht oder nur in geringem Umfang gewährleisten zu können. Mitunter werden dann Schlaglöcher oder Aufwölbungen einer Straße nicht beseitigt. Besonders in Ostdeutschland sehen sich Kämmereien in einer Notlage. Dort gaben 47 Prozent an, den Unterhalt ihrer Verkehrsinfrastruktur nicht oder nur in geringem Umfang sicherstellen zu können. Sondervermögen kein Allheilmittel Mit Blick in die Zukunft gehen aktuell nur rund 23 Prozent der Kommunen davon aus, dass der von ihnen wahrgenommene Investitionsrückstand in den kommenden Jahren geringer werden wird. Mit 42 Prozent der befragten Kämmereien rechnen deutlich mehr Kommunen mit einem weiteren Aufwuchs. 36 Prozent gehen davon aus, dass sich am gegenwärtigen Niveau des Rückstands nichts verändern wird. In einem Schwerpunktthema hat sich das aktuelle KfW-Kommunalpanel den kommunalen Beteiligungsunternehmen gewidmet. Rund zwei Drittel der Kommunen gaben an, über eine Beteiligung in den Bereichen Wasser- oder Energieversorgung zu verfügen. Etwas mehr als die Hälfte der Kommunen haben eine Beteiligung im Bereich Wohnen, 48 Prozent besitzen Sport- oder Bäderbetriebe, ebenfalls 48 Prozent sind am ÖPNV beteiligt sowie 45 Prozent an Abfallbetrieben. Die Tragfähigkeit der öffentlichen Unternehmen mit kommunalen Beteiligungen unterscheidet sich deutlich nach Bereichen: 97 Prozent der Energieunternehmen tragen sich selbst, 51 Prozent haben zuletzt Gewinne an den Kernhaushalt abgeführt. Bei den Wasserversorgern führten immer noch 27 Prozent Geld an die Kommune ab, bei Wohnungsunternehmen 23 Prozent. Demgegenüber mussten 61 Prozent der Kommunen mit Kulturbeteiligungen Verluste ausgleichen, im Sportbereich und beim ÖPNV war dies in 60 Prozent beziehungsweise 52 Prozent der Fälle notwendig. Die Kommunen unterstützen die kommunalen Ver- und Entsorgungsunternehmen insbesondere durch Bürgschaften und durch den Verzicht auf Gewinnausschüttungen. Da die Wärmewende und Klimatransformation Investitionen in einem Ausmaß benötigen, das von den Stadtwerken allein nicht finanziert werden kann, dürfte Fremdfinanzierung hier zukünftig eine größere Rolle zukommen. „Die kommunale Finanzlage hat sich weiter spürbar verschlechtert, die Stimmung in den Kämmereien ist gedrückt“, attestiert Schumacher und sieht auch strukturellen Reformbedarf. „Das Sondervermögen kann eine stabilisierende Wirkung auf die kommunale Investitionstätigkeit haben. Das wird aber nicht ausreichen, um die Haushaltslage wieder zu drehen. Es bedarf struktureller Reformen, damit die finanzielle Ausstattung wieder zu den kommunalen Aufgaben passt. Eine Möglichkeit, die Situation der Kommunen zu verbessern, wäre es, die Verteilung der Steuereinnahmen zwischen Bund, Ländern und Kommunen anzupassen.“ br © KfW-Kommunalpanel 2026 Nur 27 Prozent der kommunalen Wasserversorger führen Geld an die Kommune ab. © APchanel - stock.adobe.com FOKUS 17 dbb magazin | Oktober 2026

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