dbb magazin 7-8/2026

FÜHRUNGSFOKUS Burn-out Handeln, bevor der große Knall kommt Ein Burn-out kommt schleichend. Da ist ein Kalender ohne Luft, Leistungs- und Zeitdruck am Arbeitsplatz oder ein Team, das Erfolge nicht mehr spürt, sondern nur noch die nächste Welle erwartet. Viele Mitarbeitende wahren nach außen hin den Anschein, aber innerlich rumort es, bis der große Knall kommt. Führungskräfte müssen das frühzeitig erkennen und vorbeugen. Für Führungskräfte ist Burn-out-Prävention deshalb kein Nice-to-have, sondern Führungsarbeit. Es geht nicht darum, Menschen robuster zu machen, damit sie dauerhaft in überlasteten Systemen funktionieren. Es geht darum, Belastung früh zu erkennen, Arbeit klug zu gestalten und eine Kultur zu schaffen, in der Grenzen nicht als Schwäche gelten. Die ersten Warnsignale sind für Führungskräfte oft sichtbar, wenn sie genau hinschauen: Leistungsträger ziehen sich zurück, reagieren gereizter, machen mehr Fehler, wirken dauerhaft erschöpft oder verlieren ihren Humor. Meetings werden stiller, Entscheidungen zäher und Krankheitstage häufen sich. Besonders kritisch wird es bei Äußerungen wie „Das schaffen wir schon irgendwie“ oder „Augen zu und durch!“. Das klingt zwar nach Engagement, ist aber häufig ein Hinweis darauf, dass Prioritäten, Ressourcen und Erwartungen nicht mehr zusammenpassen. Ein wichtiger Check für Führungskräfte, die Arbeitslast gut zu verteilen und zu regulieren, sind folgende drei Fragen: Was hat wirklich Priorität? Was lassen wir im Belastungsfall bewusst weg? Und welche Belastung ist vermeidbar, weil sie aus schlechter Abstimmung, unklaren Rollen oder ständigem Kontextwechsel entsteht? Wer nur zusätzliche Resilienztrainings anbietet, aber keine Arbeit streicht, sendet die falsche Botschaft. Prävention braucht Entlastung, nicht nur Durchhalteparolen. Ebenso entscheidend ist psychologische Sicherheit. Mitarbeitende müssen Überlastungen offen und konkret ansprechen können, ohne zu befürchten, sanktioniert zu werden. Führungskräfte sollten regelmäßig anbieten, die Arbeitsbelastung zu reflektieren, und die psychologische Sicherheit für Mitarbeitende durch konsequentes Verhalten sichtbar machen. Dies gelingt durch Nachfragen ohne Vorwurf, realistische Zusagen, Schutz vor permanenter Erreichbarkeit und die Bereitschaft, Termine, Projekte oder Erwartungen zu verändern. Auch Führungskräfte selbst sind Teil des Systems. Wer pausenlos verfügbar ist, nachts E-Mails schreibt und Erholung ironisch kommentiert, setzt den Standard. Vorbild sein heißt nicht, nach außen immer entspannt zu wirken, sondern Grenzen professionell zu managen und offen mit dem Team zum Thema Arbeitslast zu kommunizieren. In der Praxis hilft ein Frühwarnsystem. In jedem Team sollte es kurze, regelmäßige Belastungschecks geben: Wo ist der Druck gerade hoch? Welche Aufgaben erzeugen Reibung? Wer benötigt Unterstützung? Welche Absprachen oder Entscheidungen fehlen? Wichtig ist, aus diesen Gesprächen Maßnahmen folgen zu lassen, sonst werden sie selbst zur Belastung. Kleine Korrekturen wirken oft stärker als große Programme: eine Frist verschieben, Arbeitsprozesse effektiver gestalten, Rollen klären oder Doppelarbeit stoppen. Wenn Warnsignale auftauchen, sind persönliche Gespräche zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden gefordert. Dabei sollten Führungskräfte nicht diagnostizieren oder bagatellisieren, sondern Beobachtungen konkret benennen, Sorgen ausdrücken, Entlastung anbieten und professionelle Hilfe empfehlen, wenn der Eindruck entsteht, dass Erschöpfung, Schlafprobleme oder depressive Symptome anhalten. Führungskräfte können den Raum schaffen, Hilfe rechtzeitig zu ermöglichen. Der große Knall kommt selten plötzlich. Er ist oft das Ergebnis vieler kleiner ignorierter Signale. Gute Führung erkennt diese Signale, bevor Menschen krank werden. Sie macht Belastung besprechbar, Prioritäten ehrlich und Erholung legitim. Burn-outPrävention beginnt dort, wo Führungskräfte fragen: „Was müssen wir anders machen, damit Menschen langfristig gesund und wirksam bleiben?“ Daniela Kuzu © Adobe Stock INTERN 35 dbb magazin | Juli/August 2026

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