JUGEND Gewerkschaften Mitgestalten statt abwarten Der Zeitpunkt, sich in einer Gewerkschaft zu engagieren, könnte nicht besser sein. dbb jugendChef Matthäus Fandrejewski weiß warum. Die aktuelle Teilzeitdebatte verkenne die Realität vieler Menschen, kritisiert der Gewerkschafter. Pläne, den Acht-Stunden-Tag durch eine reine Wochenarbeitszeit zu ersetzen, sorgen ebenso für Diskussionen wie zahlreiche Angriffe auf zentrale gewerkschaftliche Errungenschaften und den Sozialstaat. „Hier braucht es eine starke Stimme, hier braucht es Haltung“, sagt er. Als Interessenvertretung des öffentlichen Dienstes und der privatisierten Bereiche hält die dbb jugend dagegen – klar, sachlich und entschlossen. Man bringt sich aktiv in die politische Debatte ein, erzielt aber auch bei Tarifverhandlungen, dem gewerkschaftlichen Kerngeschäft, wichtige Erfolge für die Arbeitnehmenden. In diesem Jahr haben die Gewerkschaften einen wichtigen Tarifvertrag für die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes der Länder abgeschlossen, von dem besonders Auszubildende, dual Studierende und junge Leute im Praktikum profitieren. Am Ende standen 150 Euro mehr Geld und bessere Übernahmeregelungen. „Die Ergebnisse sprechen für sich, gewerkschaftliches Engagement wirkt“, betont Fandrejewski. Es lohne sich, einer Gewerkschaft beizutreten – jetzt mitzugestalten statt abzuwarten, mache den Unterschied. Wie wichtig das ist, zeigen aus Sicht des Vorsitzenden mehrere Beispiele aus der politischen Debatte der vergangenen Monate. Der Vorschlag des Wirtschaftsflügels der Union, das Recht auf Teilzeit einzuschränken, sei „vollkommen an der Lebensrealität der Arbeitnehmenden“ vorbeigegangen, der Begriff „Lifestyle-Teilzeit“ sei ein Fehlgriff gewesen. Denn es gebe viele gute Gründe für Teilzeit, so Fandrejewski: Menschen kümmern sich um ihre Kinder, pflegen Angehörige, können aus gesundheitlichen Gründen nicht Vollzeit arbeiten oder engagieren sich ehrenamtlich. All das gehöre zu einer modernen Arbeitswelt. „Nicht die Arbeitszeit entscheidet über Ergebnisse, sondern die Effizienz.“ Wichtiger seien Fortschritte bei Digitalisierung und Bürokratieabbau, für die sich die dbb jugend einsetzt – dort liege der Hebel. Der Vorschlag zur Einschränkung des Teilzeitrechts ist zwar inzwischen vom Tisch, auch dank klarer Kritik. Doch die nächste Diskussion hat bereits begonnen: Die Bundesregierung plant eine Reform der Arbeitszeit, nach der künftig bis zu 48 Wochenstunden flexibler verteilt werden könnten – mit Arbeitstagen von bis zu 13 Stunden. Das sieht Fandrejewski kritisch. Gerade in Bereichen ohne Tarifbindung wachse der Druck durch Personalmangel. Studien zeigten deutlich, wie sehr lange Arbeitszeiten das Risiko für psychische und körperliche Erkrankungen, Erschöpfung und Burn-out erhöhen. Auch Schichtsysteme könnten sich verändern: Statt drei Schichten à acht Stunden drohten Modelle mit zwei Schichten à zwölf Stunden. „Wir als dbb jugend schauen genau hin und begleiten das Vorhaben kritisch“, so Fandrejewski. Klar ist für ihn zudem: Die Politik muss die Arbeitszeit der Bundesbeamtinnen und -beamten endlich wieder von 41 auf 39 Stunden zurückführen. „Das ist längst überfällig, die alte Übergangslösung darf kein Dauerzustand bleiben.“ Auch bei der Wahrnehmung des Beamtentums haben Politik und Öffentlichkeit Nachholbedarf, denn viele Vorurteile halten sich hartnäckig, obwohl die Realität eine andere ist. Beamte vermitteln Bildung, schützen die Gesellschaft und sorgen für verlässliche Rahmenbedingungen. „Diese Leistungen verdienen Respekt. Ohne Beamtinnen und Beamte funktioniert unser Staat nicht. Mit dem pauschalen Beamten-Bashing muss endlich Schluss sein!“, fordert Fandrejewski. Dazu kann jede und jeder beitragen. Wer sich in Gewerkschaften engagiere, stärkt damit auch demokratische Strukturen, Diversiät und Gleichberechtigung, ist sich Fandrejewski sicher. „In der dbb jugend ziehen wir an einem Strang und bringen Themen voran, die junge Menschen direkt betreffen. Wer beitritt, kann aktiv mitgestalten. Im dbb gibt es Fachgewerkschaften für alle Bereiche des öffentlichen Dienstes und seiner privatisierten Bereiche. Wir freuen uns auf euch!“ _ © Friedhelm Windmüller INTERN 33 dbb magazin | Juli/August 2026
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