Eigenheim erwerben. Lediglich die Relationen haben sich verschoben, denn Wohnungsnot, hohe Mieten und Lebenshaltungskosten treffen viele Seniorinnen und Senioren genauso hart wie die jüngere Generation. Bildung bleibt der sicherste Weg für junge Menschen, gesellschaftlich aufzusteigen. Wie verhindern wir, dass die Debatte um Generationengerechtigkeit auf die Konkurrenz zwischen Jung und Alt verengt wird? Kreutz: Es müssen vernünftige Entscheidungen von Leuten getroffen werden, die das auch betrifft. Kinder und Jugendliche brauchen starke Stimmen in der Politik, weil sie nicht in die politischen Prozesse eingebunden werden. Wir müssen uns fragen, wo das Geld die größere Wirkung hat und wie die fast 150 Leistungen für Familien sinnvoll gebündelt werden können. Wenn jedes Kind etwa einen Kindergartenplatz hat, einen Grundschulplatz, eine Betreuung und ein warmes Essen am Tag, zusätzlich Investitionen in Vereine und soziale Projekte, dann brauchen wir vielleicht auch nicht so ein hohes Kindergeld. Und zum Thema Staatsmodernisierung: Das System Schule ist ein riesiges Zuständigkeitswirrwarr. Ich denke, selbst die Kommunen wären dankbar, wenn einfach alles direkt das Land macht. Fandrejewski: Jung und Alt müssen in den Austausch kommen, wir müssen alle an einen Tisch bringen. Das kann hauptsächlich im Ehrenamt gelingen. So lässt sich Empathie für die jeweils andere Generation schaffen. Klitzing: An den trennenden Linien zwischen gesellschaftlichen Gruppen, Generationen und zwischen Arm und Reich, die immer stärker zutage treten, zeigt sich, dass sich die Politik über kurz oder lang zu einer grundlegenden Transformation durchringen muss. Das wird nur mit Expertise und Fachverstand funktionieren und bedarf einer Politik, die sich von Legislaturperioden löst. Die jüngsten Reformvorhaben der Bundesregierung sind diesbezüglich weder der Weisheit letzter Schluss noch nachhaltig. Woran würden Sie in 20 Jahren erkennen, dass die gesellschaftlichen Lasten wieder fair auf die Schultern der Generationen verteilt sind? Fandrejewski: Ich möchte gerne das Beispiel Kommunalpolitik anführen: Wenn sich Leute engagieren, dann meistens die ältere Generation. Warum nicht auch die junge? Im Gemeinderat, im Stadtrat vor Ort – sozusagen auf der niedrigsten parlamentarischen Ebene – muss der Dialog zwischen den Generationen beginnen. Das sollte die Politik fördern. Kreutz: Man würde es daran sehen, dass die Zufriedenheit der Menschen wieder größer wird, weil sie der Politik vertrauen und nicht in die extremen Ränder abwandern. Dass alle Menschen, die wählen können, generationenübergreifend sagen, dass sie sich politisch vertreten fühlen. Da müssen wir wieder hin. Klitzing: Wünschenswert für den Erhalt der Demokratie und für mehr Teilhabe wäre es, dass Menschen wieder mehr Vertrauen in Institutionen haben und sich stärker in Organisationen wie Gewerkschaften engagieren. Dann kann sich auch die Gesellschaft wieder positiver entwickeln. ada, br, cdi, dsc dbb magazin | Juli/August 2026
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