tion auf diese Kernaufgabe kämpfen sie immer auch für die ganze Gesellschaft, weil ihre Mitglieder in Gesellschaft und Generationen verwurzelt sind. Und der dbb organisiert mit den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes ein Spiegelbild der Gesellschaft. Es gilt also, nicht an der Politik zu verzweifeln, sondern zu handeln und dazu beizutragen, Politik besser zu machen. Kreutz: Ich finde es schwierig, Menschen, die schon lange gearbeitet haben, zu vermitteln, dass sie noch länger arbeiten sollen. Wir dürfen die verschiedenen Generationen nicht gegeneinander ausspielen. Das muss gestoppt werden. Da spielen Gewerkschaften eine wichtige Rolle, diesem Konflikt entgegenzuwirken. Darüber hinaus erwarte ich auch, dass Beteiligungsfristen für Gewerkschaften und Verbände an Gesetzgebungsverfahren verlängert werden. Fandrejewski: Grundsätzlich spielen die klassischen gewerkschaftlichen Themen immer eine Rolle: Für die dbb jugend gehört es dazu, bei den Einkommensrunden eigene Forderungen für junge Beschäftigte aufzustellen und diesen Forderungen bei den Protestaktionen und Demonstrationen Nachdruck zu verleihen. Ich glaube, die aktuelle Generation erwartet von uns, dass wir uns breiter aufstellen, auch über die klassischen Gewerkschaftsthemen hinaus. Jugendverbände sind nach meinem Verständnis auch dafür da, komplexe Themen herunterzubrechen und dadurch Zugänge zu schaffen. Wer sich an politischen Debatten beteiligt und so die Perspektiven von anderen kennenlernt, kann später die Ergebnisse eher mittragen. Kompromissfähigkeit ist eine demokratische Kompetenz. Welchen Beitrag leisten der dbb und seine Mitglieder? Kreutz: Wir sind als Querschnittsorganisationen Paradebeispiele, weil wir uns vieler verschiedener gesellschaftspolitischer Themen annehmen. Wir bieten eine Plattform und zeigen, dass man bei uns diskutieren, sich engagieren und die Stimme einbringen kann. Wir müssen der Bevölkerung zeigen, wie der dbb und der öffentliche Dienst auch ihr Leben betreffen. Zurzeit wird eine Debatte über die Diskrepanzen zwischen Bevölkerung und Beamtenschaft geführt. Die Bevölkerung sieht gar nicht, dass wir auch Teil der Bevölkerung sind. Wir müssen auch bei Themen jenseits der sogenannten Reformen politisch aktiver werden. Erneut erleben wir eine Neiddebatte, die sich gegen die Beamtenschaft und ihre vermeintlichen Privilegien richtet. Was ist dran an den Vorwürfen? Kreutz: Das liegt vordergründig an den wirtschaftlich schlechten Zeiten. Ich kann mich nicht erinnern, in Zeiten einer boomenden Wirtschaft um den Beamtenstatus beneidet worden zu sein. Da hieß es noch: „Selbst schuld, wenn du dich so schlecht bezahlen lässt.“ Das Bashing ist eine Ablenkungsgeschichte für größere Probleme. Es ist nicht eine Gruppe schuld daran, dass es allen anderen schlechter geht. Vielen Leuten fehlt das Verständnis für das Beamtentum. Dabei haben wir im mittleren und im einfachen Dienst auch viele Beamtinnen und Beamte, die im Schichtdienst arbeiten, die körperlich anstrengende Tätigkeiten ausführen oder die sich in ihrer täglichen Arbeit Gefahren aussetzen. Und eigentlich hätte der Dienstherr eine Kampagne für den öffentlichen Dienst schalten müssen. Jetzt macht der dbb das. Fandrejewski: Wenn Beamtinnen und Beamten pauschal Privilegien unterstellt werden, kann ich das nicht hinnehmen. Denn mit den Rechten gehen auch Pflichten und Einschränkungen einher, die gerne unterschlagen werden, etwa das Streikverbot. Anders als bei vielen Arbeitnehmenden beträgt die wöchentliche Arbeitszeit für Beamtinnen und Beamte des Bundes 41 Wochenstunden, in den Ländern steht teils die Erhöhung von 40 auf 41 Stunden auf der politischen Agenda, unter anderem in Brandenburg. Klitzing: Die immer wieder aufkommende Neiddebatte gegenüber angeblichen „Beamtenprivilegien“ ist auch ein Effekt unausgewogener Medienberichterstattung und falsch interpretierter Zahlen. Innerhalb des dbb gibt es dieses Ausspielen der Statusgruppen gegeneinander nicht, und auch im öffentlichen Dienst bestimmt Neid nicht die Debatten. Häufig stehen in dieser Debatte Fragen der Verteilungsgerechtigkeit im Vordergrund. So tragen Frauen auch heute das Gros der Care-Arbeit. Was blockiert einen gerechten Ausgleich, wenn es um die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Altersvorsorge geht? Kreutz: Nach Schule, Studium und Ausbildung sind die Chancen von Frauen und Männern noch relativ gleich. Aber weil sie einen Großteil der Care-Arbeit tragen, sind sie später stärker von Altersarmut betroffen. Das muss eine Gesellschaft mitdenken. Wenn eine Gruppe mehr oder eine andere Last trägt, muss das kompensiert werden. Ein Beispiel ist die Sozialstaatsreform: Der Unterhaltsvorschuss – eine super Errungenschaft – soll gekürzt werHorst Günther Klitzing © Marco Urban FOKUS 15 dbb magazin | Juli/August 2026
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