Berufliche Bildung Überlastung an den Schulen nicht normalisieren Realschulen und berufliche Schulen bilden die Fachkräfte von morgen aus. Gleichzeitig fehlt es genau dort an ausreichend Fachkräften. Lehrkräfte arbeiten in einem System, das ihnen immer neue Aufgaben auflädt, ohne für genug Personal, Zeit und Entlastung zu sorgen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen“, machte dbb-Chef Volker Geyer am 8. Mai 2026 auf dem 26. Bundesrealschultag des Verbandes Deutscher Realschullehrer (VDR) deutlich. Wer Qualität wolle, dürfe Überlastung nicht zum Dauerzustand machen und die Kolleginnen und Kollegen nicht weiter an die Grenze bringen, denn mit Überlastung sinke die Bildungsqualität. „Klar ist: Wir brauchen mehr Personal. Der Lehrkräftemangel ist aber längst nicht mehr nur ein Problem der Personalplanung“, gab Geyer zu bedenken. „Deshalb sind bessere Arbeitsbedingungen notwendig, um echte Entlastung zu schaffen. Die Politik muss begreifen, dass gute Bildung nicht zum Nulltarif zu haben ist.“ Geyer kritisierte die zunehmenden Attacken gegen das Berufsbeamtentum: „Die Lehrkräfte an unseren Schulen stehen unter Druck. Wer in einer solchen Lage den Beamtenstatus für Lehrkräfte infrage stellt, sendet ein fatales Signal an die Kolleginnen und Kollegen.“ Für den dbb sei deshalb klar: „Der Beamtenstatus für Lehrkräfte ist ein unverzichtbarer Pfeiler eines verlässlichen Schulsystems. Schulen sind ein streikfreier Raum, das sichert Verlässlichkeit. Überdies bedeutet der Beamtenstatus Verfassungstreue. Er ist damit ein Bollwerk gegen Extremismus.“ Arbeitsbedingungen verbessern Andreas Hemsing, Zweiter Vorsitzender und Fachvorstand Tarifpolitik des dbb, ergänzte auf dem Berufsbildungskongress des Bundesverbands der Lehrkräfte für Berufsbildung (BvLB): „Eine gute Ausstattung von Schulen ist wichtig, Ausstattung allein macht aber noch keine gute Bildung. Entscheidend sind die Kolleginnen und Kollegen, die daraus guten Unterricht machen.“ Wer sie für die Schule gewinnen und dort halten will, müsse gute Bedingungen bieten: faire Bezahlung, verlässliche Perspektiven, Zeit für Qualifizierung und gute Arbeitsbedingungen. Hemsing weiter: „Unsere Kolleginnen und Kollegen an den Schulen halten den Unterricht mit großem Engagement und hoher Motivation am Laufen, oft unter Bedingungen, die ihrem Einsatz nicht gerecht werden. Das darf nicht zur Normalität werden. Berufliche Schulen und Realschulen dürfen nicht davon leben, dass die Kolleginnen und Kollegen dauerhaft über ihre Grenzen gehen.“ Die beiden dbb-Vorsitzenden hoben den Stellenwert von Realschulen und beruflichen Schulen für die Fachkräftesicherung hervor. Geyer: „Es geht nicht darum, Bildungswege gleichzumachen. Es geht darum, sie gleich ernst zu nehmen.“ Schließlich werden akademisch ausgebildete Fachkräfte und beruflich qualifizierte Fachkräfte gleichermaßen gebraucht. „Wer es mit Fachkräftesicherung ernst meint, muss deshalb auch die Schulen stärken, die Orientierung geben, Praxisbezug sichern und verlässliche Anschlüsse ermöglichen“, betonte Hemsing. _ © Unsplash.com/Giulia Squillace Fürsprecher der Beschäftigten in Hessen Der langjährige Vorsitzende des dbb Hessen, Heini Schmitt, ist am 20. April 2026 aus dem Amt als Landesvorsitzender des dbb Hessen verabschiedet worden, das er zehn Jahre innehatte. Am 1. Dezember 2026 wurde er zum Fachvorstand des dbb auf Bundesebene gewählt. Damit war er „das Gesicht“ des gewerkschaftlichen Dachverbands, wie es der hessische Innenminister Roman Poseck in seinem Grußwort formulierte. Er würdigte den Gewerkschafter als „wirkungsvollen Fürsprecher“ der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes, dem es stets gelungen sei, „die richtigen Themen in den Mittelpunkt der Debatte“ zu stellen. So habe er viele Verbesserungen für die Beschäftigten erreicht: Die sogenannte Angriffsentschädigung, die vor einigen Jahren eingeführt wurde, um Opfern von Gewalteinwirkung im Dienst eine schnelle Kompensation zukommen zu lassen, trage Heini Schmitts Handschrift. Auch im Streit um eine verfassungskonforme Besoldung habe Schmitt nie lockergelassen. Heini Schmitt verabschiedet 6 AKTUELL dbb magazin | Juni 2026
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