FRAUEN Elterngeld unter Spardruck Fatale Signale für Familien Auf Druck des Bundesfinanzministeriums soll Bundesfamilienministerin Karin Prien beim Elterngeld sparen. Die dbb frauen protestieren und fordern, Familienleistungen nicht weiter zu kürzen. Die Vorsitzende der dbb bundesfrauenvertretung und stellvertretende dbb-Bundesvorsitzende Milanie Kreutz kritisierte am 8. Mai 2026 in Berlin das politische Timing der Debatte scharf. Ausgerechnet rund um den Muttertag über Einschnitte beim Elterngeld zu diskutieren, sende ein falsches Signal. Symbolische Gesten wie Blumen und Dankesreden stünden im Widerspruch zu einer Politik, die Familienleistungen infrage stelle. Familien würden täglich einen zentralen Beitrag für das Funktionieren der Gesellschaft leisten, betonte Kreutz. Gleichzeitig würden ihnen immer mehr Aufgaben übertragen, während die staatliche Unterstützung sinke. Das wirke wie ein „gesellschaftlicher Brandbeschleuniger“. Besonders schwer vermittelbar sei, dass über Kürzungen beim Elterngeld diskutiert werde, während das Ehegattensplitting unverändert bleibe. „Das Splitting in seiner jetzigen Form bindet Milliarden und verfestigt gleichzeitig traditionelle Rollenverteilungen“, so Kreutz. Stattdessen brauche es Anreize für die Erwerbstätigkeit von Zweitverdienenden, wovon insbesondere Frauen profitieren würden. Familien sind verunsichert Kreutz warnte zudem vor den sozialen Folgen der Debatte. Viele Menschen bewegten sich bereits am Limit zwischen Beruf, Kindererziehung, Pflege und steigenden Lebenshaltungskosten. Die Politik unterschätze die wachsende Erschöpfung und Verunsicherung in vielen Familien. Wenn der Eindruck entstehe, trotz großer Anstrengungen zunehmend schlechtergestellt zu werden, könne dies das Vertrauen in staatliche Institutionen nachhaltig beschädigen. Reformbedarf beim Elterngeld sieht Kreutz durchaus. Kürzungen seien jedoch der falsche Weg. Stattdessen müssten gezielte Verbesserungen erfolgen, etwa stärkere Anreize für Väter, länger Elternzeit zu nehmen, sowie eine gerechtere Verteilung von Sorgearbeit. Zudem sollten Mindest- und Höchstbeträge erhöht und an die Inflation angepasst werden. Es sei nicht hinnehmbar, dass erneut Eltern und Kinder die Hauptlast von Sparmaßnahmen tragen. Auch der Zeitpunkt der Debatte stößt bei den dbb frauen auf Unverständnis. Erst kürzlich sei über die historisch niedrige Geburtenrate berichtet worden. Vor diesem Hintergrund wirkten Überlegungen zu Leistungskürzungen widersprüchlich. Viele junge Menschen verschöben ihren Kinderwunsch bereits aus finanzieller Unsicherheit. Umso wichtiger sei es, verlässliche Rahmenbedingungen zu schaffen und Familienplanung aktiv zu unterstützen. Angesichts des demografischen Wandels und einer alternden Gesellschaft warnt Kreutz vor langfristigen Folgen. Die beitragsfinanzierten Sozialsysteme gerieten zunehmend unter Druck. Einsparungen bei Familienleistungen verschärften diese Entwicklung zusätzlich. Statt bei Familien zu kürzen, sollte Bundesfinanzminister Lars Klingbeil nach Ansicht der dbb frauen dort ansetzen, wo dem Staat Milliardensummen entgehen: Kreutz empfiehlt, stärker gegen Umsatzsteuerbetrug vorzugehen, steuerpolitische Fehlanreize abzubauen sowie sehr hohe Vermögen und Kapitaleinkünfte gerechter zu besteuern. _ © Antonioguillem/stock.adobe.com 32 INTERN dbb magazin | Juni 2026
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