rangig mehr frühkindliche Bildungsangebote, eine stärkere Unterstützung der Elternhäuser, gut qualifizierte Lehrkräfte an Schulen mit vielen benachteiligten Kindern, kostenfreie Nachhilfe, eine spätere Aufteilung auf verschiedene Schularten und MentoringProgramme. Für Jungen empfehlen sie zusätzlich mehr männliche Erzieher und Lehrkräfte, eine kritische Auseinandersetzung mit Geschlechterstereotypen, die frühe Förderung von Lesekompetenz und Selbstregulation, intensivere Elternarbeit sowie außerschulische Angebote zur Stärkung der Bildungsaspiration. Prien setzt einen klaren Akzent auf frühe Förderung und Sprache: „Die entscheidende Stellschraube ist, in der Kita anzufangen. Es darf eben nicht passieren, dass Kinder, die kein Deutsch können, nicht in die Kita gehen und keine Chance haben, die Bildungssprache Deutsch vor der Einschulung zu erlernen.“ Deshalb seien eine verpflichtende Sprachstands- und Entwicklungsdiagnostik sowie folgend eine verpflichtende Förderung notwendig. Lehrerverbände legen Fokus auf individuelle Förderung und Personal Der Deutsche Philologenverband (DPhV) sieht deutlichen politischen Handlungsbedarf für eine verbindliche Übergangsempfehlung von der Grundschule auf die weiterführenden Schularten, um leistungsstarken Kindern unabhängig vom sozioökonomischen Status den Übergang auf das Gymnasium zu ermöglichen. Andernfalls blieben Kinder mit niedrigem sozioökonomischen Hintergrund benachteiligt – selbst bei gleichen Leistungen und Noten. Das habe schon der Bildungsbericht „Bildung in Deutschland 2024“ gezeigt. Nach dessen Ergebnissen ermöglichten Eltern mit niedrigem sozioökonomischen Status nur 44 Prozent ihrer Kinder den Gymnasialbesuch, obwohl 51 Prozent eine Gymnasialempfehlung bekommen hatten. Hingegen ermöglichten Eltern mit hohem sozioökonomischen Status 58 Prozent ihrer Kinder den Besuch des Gymnasiums, bei denen 59 Prozent eine Gymnasialempfehlung bekommen hatten. „Ist der Elternwille für den Übergang allein entscheidend, profitieren erfahrungsgemäß eher ressourcenstarke Familien. Ziel muss es jedoch sein, für jedes Kind die passgenaue Schulart zu finden, die zur Begabung und individuellen Lernentwicklung passt, um Überforderung und Unterforderung zu vermeiden“, sagt die DPhV-Bundesvorsitzende Prof. Dr. Susanne Lin-Klitzing. Der Chancenmonitor unterstreiche zudem die Notwendigkeit hochwertig ausgebildeter Lehrkräfte. Der DPhV kritisiert, dass sich alle Bundesländer bis auf Bayern mit 24 Monaten und Hessen mit 21 Monaten dazu entschieden haben, den Vorbereitungsdienst für angehende Lehrkräfte trotz steigender Anforderungen erheblich zu kürzen, teils bis auf zwölf Monate wie in Brandenburg. Zudem haben sich in der Kultusministerkonferenz jüngst Bildungsminister- und Wissenschaftsministerkonferenz voneinander getrennt, was den Einfluss der Bildungsminister auf die universitäre Lehrkräftebildung beeinträchtigt. „Beides sind politisch geschaffene, strukturell problematische Bedingungen, die einer qualitätsvollen, professionsbezogenen Lehrkräftebildung eher entgegenstehen“, so Lin-Klitzing. Nach Auffassung von Tomi Neckov, Bundesvorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), benötige jede Schule eine bedarfsgerechte Finanzierung, die unter anderem berücksichtigen muss, wie viele der Kinder staatliche Hilfsleistungen empfangen. Zudem sei es zentral, dass Schulen den individuellen Bildungsweg der Schülerinnen und Schüler besser begleiten: „Das multiprofessionelle Zusammenarbeiten sichert in diesem Zusammenhang die optimale Unterstützung von Stärken sowie das frühzeitige Erkennen von Defiziten und die dann notwendige Umsetzung von Maßnahmen, um das Lernen und Zusammenleben bestmöglich gestalten zu können“, erläutert Neckov und ergänzt mit Blick auf die frühkindliche Bildung: „Gemeinsam mit anderen Kindern lernt es sich am besten. Zuschauen, Nachmachen und gemeinsam Neues zu entdecken, helfen Kindern dabei, ein gesundes Verhältnis zum Lernen herzustellen.“ Das sei grundlegend für das Vorankommen in der Schule, und auch geschlechterspezifische Unterschiede erforderten gezielte pädagogische Antworten. „Investitionen in Kitas, Sprachförderung und Elternarbeit sind keine Kür, sondern die Grundlage für mehr Bildungsgerechtigkeit“, so Neckov. br Methodisch stützt sich der Chancenmonitor auf den Mikrozensus 2022, die größte Haushaltsbefragung in Deutschland. Ausgewertet wurden Daten von 67 851 Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren. Erfasst wurden vier Merkmale des familiären Hintergrunds: Bildungsstand der Eltern, Haushaltsnettoeinkommen, Migrationshintergrund und Alleinerziehendenstatus. Das ifo Institut weist darauf hin, dass die Ergebnisse wegen methodischer Änderungen im Mikrozensus nur eingeschränkt mit früheren Ausgaben vergleichbar sind. Die Methode Model-Foto: Colourbox.de FOKUS 25 dbb magazin | Juni 2026
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