dbb magazin 6/2026

BILDUNG ifo Chancenmonitor 2026 Bildungschancen sind ungleich verteilt Zwei zentrale Zahlen des Berichts zeigen die Spannweite der Ungleichheit: Im Durchschnitt besuchen 40,1 Prozent der 10- bis 18-Jährigen ein Gymnasium. Doch nur 16,9 Prozent der Kinder besuchen ein Gymnasium, wenn ihre Eltern kein Abitur haben, das Haushaltseinkommen im untersten Viertel liegt und kein Migrationshintergrund vorliegt. Auf 80,3 Prozent steigt die Wahrscheinlichkeit dagegen bei Kindern mit zwei Elternteilen mit Abitur aus dem obersten Einkommensviertel und mit Migrationshintergrund. Bildung und Einkommen fallen also besonders stark ins Gewicht. Prof. Ludger Wößmann, Leiter des ifo Zentrums für Bildungsökonomik, fasst zusammen: „Unsere Analyse zeigt, wie stark die Chance auf einen Gymnasialbesuch von Elternbildung und Einkommen bestimmt wird.“ So liegt die Gymnasialquote bei Kindern ohne Elternteil mit Abitur im Durchschnitt bei 25,3 Prozent, bei Kindern mit zwei Elternteilen mit Abitur dagegen bei 72,6 Prozent. Auch beim Einkommen zeigt sich ein tiefer Graben: Zwischen dem untersten Einkommensviertel mit 24,6 Prozent und dem obersten mit 64,9 Prozent liegen mehr als 40 Prozentpunkte. Der Migrationshintergrund und der Status als Alleinerziehendenhaushalt wirken ebenfalls, fallen aber deutlich weniger stark ins Gewicht, wenn Bildung und Einkommen der Eltern berücksichtigt werden. Jungen im Nachteil Ein zweiter Schwerpunkt des Berichts betrifft die Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen. Während 43,5 Prozent der Mädchen ein Gymnasium besuchen, sind es bei den Jungen nur 36,9 Prozent. Der Rückstand beträgt damit 6,6 Prozentpunkte und zieht sich durch alle sozialen Gruppen. In Haushalten mit höherer Bildung und höherem Einkommen fällt die Lücke zwar etwas kleiner aus, verschwindet aber nicht. „Besorgniserregend ist auch: Jungen haben systematisch geringere Bildungschancen als Mädchen“, sagt ifo-Forscherin Vera Freundl. Der Bericht zeigt darüber hinaus, dass sich dieser Abstand im Lauf der Schulzeit vergrößert. Bei den 10- bis 12-Jährigen beträgt der Unterschied zwischen Mädchen und Jungen 4,4 Prozentpunkte, bei den 13- bis 15-Jährigen 5,3 Prozentpunkte und bei den 16- bis 18-Jährigen bereits 9,6 Prozentpunkte. Ein Grund dafür sei, dass Jungen in der gymnasialen Oberstufe häufiger aus dem klassischen Gymnasium ausscheiden. Bundesbildungsministerin Karin Prien griff diesen Befund bei der Vorstellung des Chancenmonitors auf: „Ich bin ‚Ein Herz für Kinder‘ und dem Chancenmonitor sehr dankbar, dass sie dieses Thema, wie es eigentlich den Jungs in unserem Land geht, aufgreifen. In unserer Gesellschaft haben viele Jungen derzeit größere Herausforderungen im Bildungssystem. Ergebnisse aus Lernstandserhebungen deuten darauf hin, dass bei ihnen häufiger Leistungsrückgänge auftreten. Aus meiner Sicht ist es ein wichtiges gesellschaftliches Thema in Deutschland, dem wir mehr Aufmerksamkeit widmen und bei dem wir Jungen gezielter unterstützen sollten. Es ist meiner Meinung nach eines der zentralen gesellschaftlichen Probleme, die wir in Deutschland haben, dass wir für die Jungs mehr tun müssen.“ Auch der Mitinitiator des Chancenmonitors verbindet die Diagnose mit einem Handlungsauftrag. Sarah Majorczyk, 1. Vorsitzende von BILD hilft e. V. „Ein Herz für Kinder“, fordert: „Die soziale Herkunft und das Geschlecht eines Kindes dürfen in Deutschland nicht über die Entwicklungschancen entscheiden.“ Auch der Bericht enthält konkrete Handlungsempfehlungen. Für Kinder aus benachteiligten Familien nennen die Forschenden vorDer neue Chancenmonitor des ifo Instituts und von „Ein Herz für Kinder“ zeichnet ein ernüchterndes Bild des deutschen Bildungssystems: Noch immer hängen die Chancen von Kindern stark davon ab, aus welchem Elternhaus sie kommen. Auch das Geschlecht spielt eine erhebliche Rolle. Vorgestellt wurde der Bericht am 28. April 2026 in Berlin. © Unsplash.com/Getty Images 24 FOKUS dbb magazin | Juni 2026

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