dbb magazin 6/2026

JOB-PORTRAIT Notfallsanitäter Chef auf dem Rettungswagen Tim arbeitet für die Feuerwehr in Wuppertal. Der erste Einsatz nach der Ausbildung führte den Notfallsanitäter in eine Seniorenresidenz. Für die Betroffene ein schlimmes Erlebnis, für den Retter Routine: Eine Seniorin ist gestürzt. Sie nimmt Blutverdünner, weshalb sich die Blutung am Kopf nicht so einfach stoppen lässt. „In solchen Fällen legen wir einen Verband an“, erklärt Tim. „Und dann geht es ab ins Krankenhaus, um innere Blutungen auszuschließen.“ Für Tim Yannik Gaumann war es der erste Einsatz, nachdem er seine Ausbildung zum Notfallsanitäter abgeschlossen hatte. Deshalb erinnert er sich. „Aber wahrscheinlich auch, weil es noch nicht so lange her ist“, ergänzt der 28-Jährige und lacht. Denn vergleichbare Einsätze kennt der gelernte Feuerwehrmann bereits aus der Perspektive des Rettungssanitäters. „Bei uns in Wuppertal ist es so, dass die Feuerwehr auch den Rettungsdienst besetzt. Deshalb sind alle Feuerwehrleute auch Rettungssanitäter und übernehmen Schichten im Rettungsdienst.“ Rettungs- und Notfallsanitäter: Was ist der Unterschied? Rettungssanitäter, Notfallsanitäter, außerdem noch Rettungsassistenten – da ist es mitunter schwierig, den Überblick zu behalten. „Ein Rettungssanitäter hat eine dreimonatige Ausbildung, fährt den Rettungswagen und kann mit allen medizinischen Geräten umgehen“, erklärt Tim. Kurzum: „Er hat ein medizinisches Grundverständnis, damit er immer weiß, was im Einsatz gerade los ist.“ Notfallsanitäterinnen und -sanitäter hingegen haben eine fundierte medizinische Ausbildung, die drei Jahre dauert. Sie tragen die Verantwortung auf dem Fahrzeug und entscheiden beispielsweise, ob ein Notarzt hinzukommen muss. Und der Rettungsassistent ist eine aussterbende Spezies: „Das ist ein alter Beruf, sozusagen der Vorgänger des Notfallsanitäters.“ Für Tim ist schon in der Kindheit klar, dass er zur Feuerwehr möchte. Im Urlaub auf der Insel Fuerteventura kommt er mit seinen Eltern zufällig an einem großen Löscheinsatz vorbei. Was genau gebrannt hat, weiß er nicht mehr – ein prägendes Ereignis war es trotzdem. „Ich habe mich damals unfassbar geärgert, dass ich erst mit zehn zur Jugendfeuerwehr durfte“, erinnert sich der gebürtige Siegener. Nach der Realschule entscheidet sich Tim, eine Ausbildung zum Elektroniker zu machen. Aber die ist bloß das Mittel zum Zweck. Wer zur Feuerwehr möchte, muss eine Berufsausbildung abgeschlossen haben, idealerweise im technischen oder handwerklichen Bereich. Darauf folgt die eigentliche Ausbildung zum Feuerwehrmann, die Tim in Wuppertal absolviert. Charaktereigenschaften, die im Job gefragt sind? Klare Ansage: „Wer nicht im Team arbeiten kann, ist bei uns falsch!“ Darüber hinaus sind körperliche Fitness, psychische Stabilität und Stressresilienz von großer Bedeutung. Das gilt auch für den Rettungsdienst. Schon in seinen ersten Dienstjahren möchte Tim, zu diesem Zeitpunkt Rettungssanitäter, gerne besser verstehen, warum sein Vorgesetzter, ein Notfallsanitäter, bei den Einsätzen so handelt, wie er handelt. „Ich wollte wissen, was genau im Körper schiefläuft, zum Beispiel bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt.“ Hinzu kommt: Mit der Zeit stellen sich viele Beschäftigte die Frage, wie es mit der Berufskarriere weitergehen soll. „Die Ausbildung zum Notfallsanitäter ist ein nützlicher Baustein für den weiteren Karriereweg innerhalb der Feuerwehr“, erklärt Tim. Das habe für ihn, abgesehen vom Erkenntnisinteresse, ebenfalls eine Rolle gespielt. Da er bereits Rettungssanitäter ist, kann er die Ausbildung zum Notfallsanitäter von drei auf 2,5 Jahre verkürzen. Er besucht die Rettungsdienstakademie in Wuppertal und absolviert Praktika im Krankenhaus – und natürlich im Rettungsdienst. Im Herbst 2024 ist er fertig und kehrt zur Feuerwehr zurück. Dort arbeitet Tim im 24-Stunden-Schichtdienst. Start ist um 7.30 Uhr. Eine der ersten Amtshandlungen: der sogenannte „Fahrzeugcheck“. Dabei prüft er, ob alle Geräte funktionieren und vollständig sind, auch die Desinfektion gehört dazu. „Letztere machen wir natürlich auch direkt nach den Einsätzen“, sagt der Beamte. „Aber morgens gibt’s einmal eine Intensivreinigung.“ Wann den Rettungsdienst rufen? Das ist eine Frage, die in Tims Berufsalltag große Relevanz hat: Einmal musste er mit seinem Kollegen zu einer Frau ausrücken, die sich beim Kartoffelschälen in den Finger geschnitten hatte. So war es auch, aber: „Der Finger war nicht ab, die Wunde nicht ein- © privat 22 FOKUS dbb magazin | Juni 2026

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