dbb magazin 6/2026

eher Nachteile der Wiedervereinigung für Ostdeutschland sehen, ist seit 2023 zuletzt jedoch deutlich von 26 auf 37 Prozent gestiegen. Das zeigt: Es existieren weiterhin spezifisch ostdeutsche Herausforderungen; Sorgen und Ängste der 90er-Jahre sind Teil des kollektiven ostdeutschen Gedächtnisses. Analysiert wurde auch, ob Veränderungen als zu umfassend, zu schnell oder zu tiefgreifend empfunden oder ob sie eher als Chance oder Risiko wahrgenommen werden. Zudem wurde untersucht, welche Bedingungen erfüllt sein müssen, damit Bürgerinnen und Bürger bereit sind, gesellschaftliche Veränderungen mitzutragen oder auch aktiv mitzugestalten. Die Befunde des Deutschland-­ Monitors basieren auf drei eng miteinander verknüpften Erhebungsformaten: einer repräsentativen Bevölkerungsbefragung, einer regionalen Vertiefungsstudie in strukturstarken und strukturschwachen Kreisen Ost- und Westdeutschlands sowie Fokusgruppendiskussionen. Darauf aufbauend kommt der Deutschland-Monitor 2025 zu folgenden zentralen Untersuchungsergebnissen: Neben den bereits erwähnten Fakten prägt die allgemeine Veränderungsbereitschaft den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Veränderungen in den sechs untersuchten Politikfeldern Verteidigung, Wirtschaft, Digitalisierung, Demografie, Klima und Migration. Diejenigen Bürgerinnen und Bürger, die allgemein veränderungsbereiter sind, unterstützen auch konsistent stärker gegenwärtige und zukünftige Veränderungen in diesen gesellschaftlichen Bereichen. Veränderungen gehen in der Regel auch mit Zumutungen wie höheren Steuern für Verteidigungsausgaben, Verzicht auf den Verbrennermotor für den Klimaschutz oder einem Arbeitsplatzwechsel einher. Die Bürgerinnen und Bürger sind in den untersuchten Politikfeldern dennoch mehrheitlich bereit, diese Zumutungen ganz oder zumindest teilweise mitzutragen. Eine Ausnahme besteht in Bezug auf die Frage, ob die Befragten angesichts des demografischen Wandels bereit wären, für die gleiche Rentenhöhe länger zu arbeiten. Dies lehnen 58 Prozent der Befragten ab und empfinden es als zu große Zumutung. Bildungsgrad hat Einfluss auf Veränderungsbereitschaft Menschen, die eher veränderungsbereit sind, verfügen den Ergebnissen zufolge im Durchschnitt über etwas mehr Einkommen und Bildung. Sie bewerten aktuell sowohl ihre persönliche wirtschaftliche Lage als auch die wirtschaftliche Lage Deutschlands positiver. Wer selbst durch gesellschaftliche Veränderungen negative Erfahrungen gemacht hat, steht auch zukünftigen Veränderungen eher skeptisch gegenüber. Wichtiger als die Bewertung dieser früheren Erfahrungen und aktuellen Gegebenheiten ist jedoch die Zukunftserwartung der Bürgerinnen und Bürger. Wer von einer positiven Entwicklung für sich selbst und insbesondere für Deutschland ausgeht, steht den gesellschaftlichen Veränderungen deutlich positiver gegenüber als jene, die mit Sorgen in die Zukunft blicken. Der sorgenvolle Blick in die Zukunft ist also gerade kein Motor für Veränderungsbereitschaft. Politikfeldübergreifend werden Veränderungen eher akzeptiert, wenn der Staat als handlungsfähig und gestaltend empfunden wird, seine Entscheidungen nachvollziehbar und transparent kommuniziert und sie als angemessen oder gerecht wahrgenommen werden. Zudem ist Sicherheit für transformationsbereite ebenso wie für skeptische Bürgerinnen und Bürger eine zentrale Bezugsdimension in allen untersuchten Bereichen. Dazu gehören eine sichere Rente, Energie- oder Datensicherheit sowie die eigene körperliche Sicherheit. Keine Demokratiemüdigkeit Nach wie vor gibt es mit 98 Prozent eine sehr hohe Zustimmung zur Idee der Demokratie in Deutschland. Mit deren Funktionieren sind allerdings nur 60 Prozent zufrieden. Dieser Wert ist laut den Studienautoren für Westdeutschland in den vergangenen drei Jahren weitgehend stabil geblieben. Für Ostdeutschland ist der Grad der Zufriedenheit mit 51 Prozent geringer, hat aber in den vergangenen Jahren bedeutsam zugenommen (2023: 43 Prozent). Die Zufriedenheit mit der Demokratie, ihren Akteuren und Institutionen hängt insgesamt stark von der wahrgenommenen wirtschaftlichen Lage der Gesellschaft, der wahrgenommenen individuellen Anerkennung sowie den persönlichen Zukunftserwartungen ab. Daraus resultierend sehen die Menschen die Entwicklung der Demokratie in Deutschland eher kritisch. 71 Prozent der Bevölkerung stellen für die vergangenen zehn Jahre eher eine negative Entwicklung fest. Populistisch eingestellte Personen sehen die Entwicklung der Demokratie signifikant häufiger negativ (85 Prozent) als Personen, die keine populistischen Einstellungen teilen (67 Prozent). Die subjektive Lebenszufriedenheit ist neben objektiven Statusmerkmalen wie Einkommen und Bildung primär von Wahrnehmungen der Stabilität der eigenen Lebenslage, sozialer Anerkennung und gefühlter sozialer Gerechtigkeit geprägt. Auch eine positive Bewertung der Wiedervereinigung geht – insbesondere in Ostdeutschland – mit höherer Lebenszufriedenheit einher. Grundsätzlich sind Ost-West-Unterschiede in der Lebenszufriedenheit minimal. In ostdeutschen Kreisen mit niedriger Prosperität fällt jedoch die Lebenszufriedenheit etwas geringer aus. _ Interaktive Website zum Deutschland-Monitor: deutschland-monitor.info Webtipp Model-Foto: Colourbox.de FOKUS 21 dbb magazin | Juni 2026

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