dbb magazin 6/2026

STUDIE Deutschland-Monitor 2025 Veränderung ja, aber … Nach dem aktuellen Deutschland-Monitor mit dem Schwerpunkt „Wie veränderungsbereit ist Deutschland?“ sind die Menschen hierzulande, anders als vielfach angenommen, mehrheitlich nicht veränderungsmüde. Allerdings hängt die Akzeptanz von Veränderungen vom Bildungsgrad und der persönlichen Einkommenssituation ab. Die im Februar 2026 von der Beauftragten für Ostdeutschland, Staatsministerin Elisabeth Kaiser, vorgestellte Studie wird regelmäßig vom Zentrum für Sozialforschung Halle, der Universität Jena sowie dem Leibnitz-Institut GESIS erstellt. Die Ausgabe 2025 zeigt: Es finden sich kaum Unterschiede beim Veränderungswillen in Ost- und Westdeutschland. So erklärt sich ein knappes Viertel der Befragten (23 Prozent) offen für gesellschaftlichen Wandel und nimmt ihn als Chance wahr, gut die Hälfte (52 Prozent) steht dem Wandel ambivalent gegenüber und nur ein Viertel (26 Prozent) äußert sich kritisch und verbindet Veränderungen primär mit Risiken. Allerdings stehen Menschen, die über ein höheres Einkommen und Bildungsniveau verfügen, sowie jene, die von einer positiven Entwicklung für sich selbst oder für Deutschland ausgehen, gesellschaftlichen Veränderungen deutlich positiver gegenüber. Veränderungen werden zudem eher akzeptiert, wenn der Staat als handlungsfähig und gestaltend empfunden wird und er seine Entscheidungen nachvollziehbar und transparent kommuniziert. Staatsministerin Elisabeth Kaiser: „Die Akzeptanz von Veränderungen steigt mit den persönlichen Ressourcen der Menschen. Für mich bedeutet das: Sichere Arbeitsplätze und faire Löhne durch wirtschaftliches Wachstum, gute Bildung und ein starker Sozialstaat sind die Basis, um die Unterstützung der Menschen zu gewinnen.“ Der Bericht gebe Rückenwind für die Reformvorhaben der Bundesregierung. In Zeiten multipler Krisen und Herausforderungen müsse Politik Sicherheit und Gestaltungswillen ausstrahlen. Veränderungsskepsis in strukturschwachen Regionen Im Vergleich strukturstarker und strukturschwacher Landkreise in Ost und West zeigen sich weitere Unterschiede: Während die Einstellungen der Menschen in den strukturstarken und -schwachen Regionen Westdeutschlands ebenso wie in den strukturstarken Regionen in Ostdeutschland sehr ähnlich sind, ist die Veränderungsskepsis in den strukturschwachen Regionen in Ostdeutschland überdurchschnittlich groß. Analog dazu sind Demokratiezufriedenheit, Institutionenvertrauen und der geschätzte eigene Einfluss auf die Politik besonders gering. Auch populistische und diktaturaffine Einstellungen sind dort weiterverbreitet. Ursächlich sind der Studie zufolge vorwiegend die in diesen Regionen stärker verbreitete Wahrnehmung individueller und kollektiver Benachteiligung, die Statusverlustangst sowie Gefühle des Abgehängtseins. Einen möglichen Handlungsansatz sehen die Autorinnen und Autoren des Deutschland-Monitors darin, für gleichwertige Lebensverhältnisse zu sorgen und ostdeutschen Biografien mehr Sichtbarkeit zu verleihen. Spezifisch ostdeutsche Herausforderungen Die persönliche Wiedervereinigungsbilanz fällt zwar mehrheitlich positiv aus. Der Anteil der Menschen in Ostdeutschland, die 20 FOKUS dbb magazin | Juni 2026

RkJQdWJsaXNoZXIy Mjc4MQ==